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Donnerstag, 17. April 2014

Kretischer Wildkräutersalat (Horta) mit Kräutern, die in Deutschland wachsen

Da ich im Moment in Deutschland bin, komme ich an die typischen Wildkräuter und -gemüse, die es auf Kreta gibt nicht heran. Aber ich habe mich so an die kretische Küche gewöhnt und liebe sie, dass ich versuche die Speisen hier in Deutschland nun nachzumachen, mit Produkten, die ich hier erhalten kann.

Jetzt gibt es hier auf Wiesen und Gärten (unter anderem) jede Menge Giersch, Löwenzahn, Gundermann, Knoblauchrauke und frische junge Brennnesseln. Ein paar Gänseblümchen zur Dekoration sind auch verfügbar. - Mein Vater ist begeistert, dass ich das lästige Unkraut aus seinem Garten entferne ;-).
Dabei sind diese Wildkräuter sehr aromatisch und gesund. Gundermann zum Beispiel wird schon von Hildegard von Bingen gegen Hals- und Ohrenschmerzen empfohlen. Man nutzte ihn anstelle von Hopfen bei der Bierherstellung und die Germanen nutzten ihn gegen Pest und Hexen. Er schmeckt leicht bitter - je älter die Blätter umso mehr - und leicht minzig und frisch. Knoblauchrauke wirkt antiseptisch, leicht harntreibend und schleimlösend. Wenn man die Blätter zwischen den Finger zerreibt entfaltet sich ein leichter Knoblauchgeruch - und auch im Salat merkt man ihn durch einen sehr leichten Knoblauchgeschmack. Giersch schmeckt leicht nach Petersilie und gilt schon seit Jahrhunderten als Heilkraut gegen Gicht. Er enthält viel Kalium, Vitamin C, Karotin und Eisen.

Brennnesseln enthalten ebenfalls viel Eisen, daneben weisen sie noch einen hohen Gehalt an  Magnesium, Calcium, Silizium, Vitamin A und C auf. Ihr Eiweißgehalt ist höher als der von Sojabohnen. Ich ernte und verarbeite sie im rohen Zustand nur mit Handschuhen, obwohl ja auch das Brennen gesund sein soll. ;-)
Auf Kreta werden zumeist noch Dill und Frühlingszwiebeln dazu gegeben. Ich habe als Ersatz Zwiebelgrün und Liebstöckel genommen.

Daraus kann man auch einen frischen Wildkräutersalat machen; einfach säubern und eine leckeres Marinade drüber geben.

Ich bereite ihn aber auf kretische Art zu...... und er schmeckt prima! Dazu werden die Kräuter geputzt, gewaschen, die schlechten Blätter aussortiert und die dickeren Stiele entfernt. Nun werden die Kräuter in kochendes Wasser gegeben und 3-5 Minuten gekocht. Bei älteren Blättern oder einem höheren Anteil von bitteren Pflanzen erhöhe ich die Zeit auf bis zu 10 Minuten. Das Kochwasser abgießen und die Kräuter auf einen flachen Teller geben. Mit kretischem Olivenöl (DAS habe ich mir natürlich mitgebracht) beträufeln, salzen und nach Geschmack mit Zitronensaft und Pfeffer abschmecken. Von dem bitteren Beigeschmack des Gundermanns und der Knoblauchrauke ist dann nichts mehr zu merken.

Gerne esse ich den Salat auch noch mit etwas Feta bestreut und mit ein paar Tomatenwürfel.

Da ich zu viel zubereitet hatte, habe ich aus den Resten noch eine leckere Wildkräutersuppe gemacht..... ab heute eine meiner absoluten Lieblingssuppen! Dazu eine Suppenbasis mit Mehl und Olivenöl zubereiten (Butter geht natürlich auch) und mit Milch ablöschen. Die zubereiteten Kräuter pürieren und dazugeben, leicht salzen - fertig!

Und es war immer noch etwas übrig ;-)
Damit habe ich dann Teigtaschen gefüllt. Den fertigen Salat dazu vor dem Einfüllen in die Taschen gut ausdrücken! Leider habe ich noch keine richtige Küche und keine Geräte etc., deshalb mußte ich anstelle von selbstgemachtem Pitateig Blätterteig benutzt (...und zum Ausrollen eine Flasche kretischen Rotwein :-D ). Ich habe 2 Varianten gebacken - eine mit Feta und die andere ohne. Beide sind aromatisch lecker. Die mit Feta ist etwas weniger herb, da der Käse den Geschmack der Wildkräuter etwas abmildert.


Kali Orexi - Guten Appetit!









Freitag, 5. April 2013

Stamnagathi - vom Wildkraut zum Blattgemüse

Typisch für die kretische Ernährung ist der Verzehr von Wildkräutern und Wildgemüsen. Am besten schmecken die jungen Triebe, Blätter und Wurzeln, die im Winter, nach den ersten Regenfällen, aus der Erde sprießen. So ist es also nicht verwunderlich, dass die Hauptsaison für Chorta (Χορτα) - so wird das essbare Wildkraut genannt - von Januar bis Anfang April ist.


In dieser Zeit sieht man viele Frauen und auch Männer über die Wiesen streifen, mit Plastiktüte und Messer bewaffnet, die sich immer wieder bücken und irgendein Kraut abschneiden oder ausbuddeln. ;-)

Es gibt hier auf Kreta über 100 verschiedene essbare Wildkräuter; ich kenne inzwischen ca. 30 davon! Natürlich kann man sie auch auf dem Wochenmarkt kaufen. Je nachdem wie selten man sie findet und wie beliebt sie sind schwankt der Preis zwischen 4 und 12 € pro Kilogramm.

Einige werden inzwischen landwirtschaftlich angebaut zum Beispiel Ruccola, Wlita, Portulak und Stamnagathi. Ruccola hat schon sehr lange den Sprung zur angebauten Salatpflanze gemacht, ich denke ihr habt alle schon mal Ruccola gegessen. Der hier wild gepflückte ist schmaler und schmeckt intensiver.
Die Blätter des gezüchtete Portulak sind weniger fleischig und größer. Im Gegensatz zum wilden Portulak schmeckt er weniger säuerlich und ihm fehlt die leichte Schärfe.
Die Wlitasaison startet Ende Mai. Weitere Informationen findet ihr hier.

Stamnagathi ist eine Zichorienart, die ursprünglich nur an Berghängen und wenig zugänglichen Orten in bergigen Regionen wächst. Auf deutsch heißt die Pflanze "stachelige Wegwarte" (Cichorium spinosum). Die Blüte ist etwas dunkler als die er gemeinen Wegwarte, die man hier überall findet und sie hat lange Stacheln! Stamnagathi schmeckt leicht bitter und man kann die jungen Blätter und auch die Wurzeln essen. Da das Wildgemüse sehr beliebt ist wird es so starkem Maße gepflückt, dass es vielleicht bald zu den gefährdeten Pflanzen gehört.

Inzwischen gibt es jedoch auch Bauern hier auf Kreta, die Stamnagathi anbauen. Es gibt jetzt gezüchtete leicht größere Sorten auf dem Wochenmarkt zu kaufen, die nicht mehr so bitter sind. Andere Landwirte besorgen sich das Saatgut jedes Jahr neu aus den Bergregionen.

Der weltweit größte Stamnagathi Produzent ist Cretan Gaia in Mires in der Region Heraklion. Zur Saison ernten sie über 2 Tonnen pro Tag! Damit ist es für mich inzwischen eigentlich kein Wildgemüse mehr ;-)
Cretan Gaia hat übrigens gerade ein integriertes Managementsystem eingeführt. Das heißt, sie haben die Grundlagen für eine effiziente, verantwortungsbewußte Produktion gelegt, bei der auch alle Umweltaspekte berücksichtigt werden. Vor einigen Tagen haben sie dafür das Zertifikat vom TÜV HELLAS erhalten.

Es gibt noch verschiedene andere Namen für diese Zichorienart in Griechenland unter anderem: "Radikostivada". Eine Freundin erklärte mir wie der Name "Stamnagathi" entstanden ist: Die dornigen Stengel der Pflanze wurden früher als Insektenschutz in die Öffnungen von Krügen gesteckt. Und davon leitet sich der Name ab: "Stamna" - der Krug und "Agathi" - der Dorn oder Stachel.

Früher wurde die Wegwarte auf Kreta als Mittel gegen Magenschmerzen verwendet. Sie wurde schon in der Antike als Arzneimittel genutzt. Sie wurde als Antiseptikum für Wunden eingesetzt, als Therapeutikum für Leber-, Galle- und Nierenerkrankungen und bei Rheuma.


Ich habe schon einige verschiedene Sorten der stachligen Wegwarte gegessen, einige waren stark bitter andere überhaupt nicht. Am besten sollen die Pflanzen schmecken, die an den Felsen dicht am Meer wachsen. Ob ich die auch schon genossen habe, kann ich nicht sagen. ;-)

Am häufigsten bekommt man Stamnagathi hier in den Tavernen als gekochten Salat zur Vorspeise serviert. Dafür wird er kurz gekocht und dann mit Olivenöl und Zitrone serviert. Dadurch wird die Bitterkeit etwas reduziert. Man kann ihn auch roh als Salat oder in einer Salatkomposition essen. Dazu eignen sich vor allem die nicht so bitteren gezüchteten Sorten. Ich habe auch schon Pilaf (kretisches Risotto) und gefüllte Pitas mit Stamnagathi probiert. Und natürlich wird er auch als Beilage zu geschmortem Lamm, Schwein und Rind gegessen.

Warmer Stamnagathi Salat für 4 Personen
Zutaten: 1 kg Stamnagathi, 1 Zwiebel, ungefähr 5 Eßl. Olivenöl, Saft von 1 Zitrone, Pfeffer, Salz
Zubereitung: Das (?) Stamnagathi gründlich waschen und durchsortieren. (Bei mir bleibt dann immer nur ca. 800 g übrig. ;-)) In einem großen Topf ausreichend leicht gesalzenes Wasser zum Kochen bringen und dann das "Grünzeug" hineingeben. Ungefähr 10 bis 15 Minuten köcheln lassen. Danach das Wasser abgießen und das Stamnagathi ausdrücken. Zwiebel fein hacken und in einer großen Pfanne in Olivenöl anschwitzen. Das ausgedrückten Stamnagathi dazugeben und alles gut vermengen. Mit Pfeffer, Salz und Zitronensaft abschmecken. 

Serviervorschläge: 
Mit einer gehackten Tomate und etwas Fetakäse bestreuen oder 
einen Klacks Joghurt obendrauf geben, der leicht mit Knoblauch, Pfeffer und Salz aromatisiert wurde. 

Kali Orexi - Guten Appetit!

Donnerstag, 15. November 2012

Ein paar Bilder vom Wochenmarkt in Rethymno im November.

Ruccola wird im Moment in Mengen angeboten.
(Auch Überschüsse aus dem Hausgarten.)
Verschiedene Auberginensorten, Tomaten, Gurken und Paprika
sind immer im Angebot
Die Chortasaison startet mit gemischten Wildkräutern.

Das Kilo Kartoffeln kostet 70 Cent.

Ganzjährig und günstig im Angebot.

Zwiebeln und Karotten aus Kreta 

Die Kohlsaison startet mit Blumenkohl

Rote Beete und Frühlingszwiebeln sind wieder da und recht günstig

Die ersten  Zitrusfrüchte sind da.
Es gibt sogar noch einige kretische Erdbeeren.

Und natürlich kann man frische Oliven(grün oder blau) kaufen.


Bohnen gibt es immer noch in Hülle und Fülle.

Die Granatäpfel sind reif und lecker.

Wie dies Grünzeug heißt weiß ich nicht. Ich finde es sieht nach jungem
Erbsengrün aus. Es wird als Salat gegessen, mir ist es aber zu bitter ;-) !


Jede Menge Äpfel sind im Angebot, alle Sorten 1 € pro kg

Frische Esskastanien und Mandeln aus der Region um Chania.


Sonntag, 15. Juli 2012

Portulak - Unkraut, Wildgemüse und Heilpflanze


Wir haben hier auf Kreta nur einen ganz kleinen Garten in dem nur Blumen und einige Kräuter wachsen. Was daneben sehr gut ohne jede Pflege wächst sind Unkräuter oder wie es heutzutage offiziell heißt Beikräuter. Bei uns wachsen Kapern, Salbei, Johanniskraut und Portulak. 

In meinem Garten in Deutschland war Giersch nicht auszurotten und wuchs im Gegensatz zu den Kohlrabis, Radischen und Kartoffeln wunderbar und ohne Schneckenbefall. Also ging ich davon aus, dass ich keinen "Grünen Daumen" habe und Nutzpflanzen bei mir eingehen. Einer meiner Versuche den Giersch los zu werden, war ihn zur Nutzpflanze zu erklären und zu essen. Er schmeckt gut und sollte logischerweise nun eingehen. Der Versuch hat damals leider nicht funktioniert.
 Hier auf Kreta ist es nun der Portulak, der sich nicht so leicht ausrotten lässt. Ich versuche jetzt nochmals meine "Nutzpflanzenmethode" und seit einigen Wochen essen wir viel von diesem Salatgemüse. Allerdings schmeckt er mir besser als Giersch.  ;-)

Die jungen Blätter und Stiele im Juni schmecken leicht säuerlich, etwas salzig und nussig. Eine andere Sorte, die ich zum Vergleich auf dem Wochenmarkt gekauft habe, hat dazu noch eine leichte Schärfe. 

Große ältere Blätter haben einen etwas bitteren Geschmack. Portulak wird überwiegend frisch und roh verzehrt. Ich mag ihn am liebsten in der Kombination mit Tomaten.  Des Weiteren wird er in Rührei oder in Suppen verwendet und kurz blanchiert als Beilage zu Fleisch und Fisch.
Die jungen Blätter und Blütenknospen kann man ähnlich wie Kapern einlegen. Häufig werden sie in Mixed Pickles mit verarbeitet. Neben viel Vitamin C, Magnesium, Zink und Eisen enthält Portulak auch die 
gesundheitsfördernden Flavonoide und Omega-3-Fettsäuren. 

Nachweisbar wird Portulak schon seit 800 vor Chr. als Wildgemüse und Heilpflanze genutzt! Hippokrates empfahl Portulak bei Problemen mit den Monatsblutungen. Andere Gelehrte verabreichten ihn ihren Patienten bei Zahnfleisch- und Augenproblemen. Er wurde zur Wundheilung und gegen Sodbrennen eingesetzt. Am bekanntesten ist seine Fiebersenkende Wirkung. Joghurt mit Portulak wird auch heute noch im südöstlichen Mittelmeergebiet als erfrischendes Getränk Fieberkranken gereicht.

Verarbeitung:
Wichtig ist es den Portulak vor dem Verzehr  sehr gut zu waschen. Da er am Boden entlang kriecht ist er immer viel feinem Dreck überzogen.

Zum Salat: Man kann sowohl die Blätter als auch die dünneren Stile verwenden. Die kleinen Blätter von den dickeren  Stielen abstreifen und über den Salat - zum Beispiel über "griechischen Bauernsalat" oder mediterranen Nudelsalat - geben. Genauso gut schmeckt er zu aufgeschnittenen Tomaten oder Zucchinis.  Ich liebe auch die Mischung mit Paximadi (kretischen Zwieback) mit Tomaten, Feta und Portulak. 

Zum Joghurt oder Quark: Blätter und Stiele klein schneiden und zum Quark, Joghurt oder Tzatziki  hinzufügen. Nach Geschmack pfeffern und leicht salzen.

Für das Joghurtgetränk wird der Portulak sehr fein zerhackt. Joghurt mit Wasser im Verhältnis 2:1 mischen, leicht salzen und mit dem pürierten Portulak verrühren.


Rührei, Omelette: Ein typisches kretisches Rührei ist ca. 3 cm dick und wird mit Gemüseeinlage, wie Tomate, gekochten Kartoffeln, Paprika, Zucchini oder Zwiebeln zubereitet. Es wird in einer Pfanne mit kleinerem Durchmesser zunächst angebraten und dann im Ofen fertig gebacken. Wenn man es mit Portulak zubereitet, kann man diesen einfach vor dem Braten grob zerkleinert zur Eimasse hinzugeben.


Kali Orexi - Guten Appetit!



Dienstag, 12. Juni 2012

Kretadiät statt Probiotika

"Wieso kann Jens so viel essen und wird nicht dick?" "Warum wirkt das Medikament bei mir nicht so gut wie bei Saskia?" Solche oder ähnliche Fragen hat sich jeder von uns schon einmal gestellt. Wissenschaftler haben jetzt eine Ursache dafür
gefunden.

Im Darm jedes Menschen tummeln sich über eine Milliarde Mikroorganismen. Die bekanntesten Mitglieder des Ökosystems "Darmflora" sind die Milchsäure- und die Bifidobakterien. Sie helfen uns bei der Verdauung, indem sie Nährstoffe, zum Beispiel Vitamine so vorbereiten, dass unser Körper sie verwenden kann.
In einer weltweit durchgeführten Studie wurde ermittelt, dass es verschiedene Zusammensetzungen dieser Darm -Mikroorganismen gibt. So wie Menschen verschiedene Blutgruppen haben, unterscheiden sie sich auch hinsichtlich ihrer Darmflora. Die Forscher konnten drei unterschiedliche Typen ermitteln. Innerhalb einer Darmtypengruppe ist die Zusammensetzung der Mikroorganismen in der Darmflora sehr ähnlich.

Die Darmtypen sind nicht zufällig entstanden und sie sind unabhängig von dem Geschlecht, dem Alter, der Rasse und dem Wohnort!

Die Darmflora entscheiden darüber, wie hoch eine wirksame Medikamentendosis sein muss oder wie viele Kalorien aus einem Lebensmittel herausgelöst werden. Da sich im Darm ebenfalls unser größtes Immunsystem befindet beeinflusst die Darmflora auch unsere Abwehrkräfte.

Die Nahrung spielt eine entscheidende Rolle bei der Besiedlung unseres Inneren. Wir entscheiden mit der Auswahl unserer Speisen über positive oder negative Wirkungen auf das "Ökosystem Darm". Die beste Ernährung um unsere Darmflora gesund zu erhalten sind - und dies gilt für alle drei Typen! - viel Gemüse, Wildgemüse und Obst - roh oder gekocht-, Kräuter, Hülsenfrüchte, Nüsse, kalt gepresstes Öl, Milchprodukte wie Joghurt und Käse, wenig Fisch und Fleisch.

Na, kommt euch das bekannt vor? - Richtig! - Das ist die grundlegende Zusammensetzung der Kretadiät!


 Der Begriff "Probiotika" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Für das Leben". Unter Probiotika versteht man heute Produkte, die das Leben unserer Darmflora unterstützen.

Es handelt sich dabei um lebende Mikroorganismen, zumeist Milchsäurebakterien, die den Lebensmitteln zugesetzt werden. Im Darm sollen sie dann eine gesundheitsfördernde Wirkung erzielen. Das bekannteste probiotische Lebensmittel ist der Joghurt, aber auch Babynahrung, Margarine, Käse und Wurst werden mit diesem Zusatz angeboten.

Die Milchsäurebakterien sollen die Darmflora positiv beeinflussen und vorhandene " böse" Mikroorganismen verdrängen. Normalerweise werden Bakterien, die mit der Nahrung aufgenommen werden durch ein effektives Abwehrsystem zerstört, denn es könnte sich ja um Krankheitsauslösende Keime handeln. Die meisten werden von der Magensäure und dem Gallensaft zersetzt. Nur wenn große Mengen aufgenommen werden, können einige überleben. In den probiotischen Lebensmitteln sind sehr große Mengen enthalten, die von den Lebensmittelfirmen so gezüchtet werden, dass sie den aggressiven Angriffen der Säuren stand halten. Im Darm verändern sie unsere Darmflora für einige Tage, danach stellt sich das normale Gleichgewicht wieder ein.

Das bedeutet, wenn ihr eine Änderung eurer Darmflora wollt, müsst ihr die Produkte täglich über einen längeren Zeitraum essen.  Die von der Industrie gezüchteten Mikroorgansimen verändern damit eure normale Besiedelung, die von der Natur aus vorgegeben ist. Egal welchen der drei Darmtypen ihr habt, mit probiotischen Lebensmitteln wird dieser verändert.

Zu empfehlen sind probiotische Produkte nur, wenn eure Darmflora z.B. durch eine Antibiotika Behandlung zerstört wurde oder ihr eine Durchfallerkrankung erleidet habt. In diesem Fall verhindern die Probiotika eine Fehlbesiedlung und helfen über die ersten Tage hinweg, bis unser Körper wieder fit ist und seine eigene Darmflora aufbaut.

Ansonsten sind probiotische Lebensmittel unnötig.
Mit Werbesprüchen wie: "Stärkt die Abwehrkräfte…", "Weniger Erkältungen durch…", "Verhindert einen Blähbauch…." versuchen uns die Firmen zum Kauf zu verführen. Diese Joghurts sind häufig teurer als andere Joghurts und enthalten zumeist viele Aromastoffe und Zucker.

Übrigens enthält guter griechischer Joghurt von Natur aus mehr probiotisch wirkende Mikroorganismen als andere "normale" Joghurtsorten. Und in natürlichen Zusammenspiel mit anderen Inhaltsstoffen helfen sie unseren Darm fit zu halten!

Fazit: Kretadiät statt Probiotika ;-)




Sonntag, 18. März 2012

Kreta im März


In der saftig grünen Landschaft rund um Rethymno dominieren jetzt die Farben Gelb und Weiß. Der Ginster und der Stinkstrauch stehen in voller Blüte, der Sauerklee bedeckt immer noch die Böden der Olivenplantagen, wird jedoch inzwischen vom Senf, Crepis und dem Brandkraut im Strahlen unterstützt. Am Wegesrand blühen Gänseblümchen, Ringelblumen und Kamille, die ersten Wucherblumen recken ihre weiß-gelben Köpfe der Sonne entgegen. Dazwischen sind schon vereinzelte rote und violette Punkte zu sehen, die ersten Anemonen und Mohnblumen zeigen sich. Weniger auffällig sind die vielen Orchideen, die im Inland auf den Wiesen erblühen.


Fährt man etwas landeinwärts auf kleineren Straßen muss man hinter jeder Kurve mit kleinen Zicklein und Lämmern rechnen, die munter neben ihrer Familie über die Straße springen. 

In den Reiseführern steht, dass es 6 Regentage im März gibt. Dieses Jahr sind es jetzt schon mehr. Und der wärmste März ist es auch nicht! Wir müssen jeden Tag unseren Ofen anheizen. Es gab bisher einige recht stürmische, kalte und nasse Tage.  
Aber man merkt auch schon, dass der Frühling naht, denn wenn die Sonne herauskommt ist es recht warm und um die Mittagszeit sind die Sonnenstrahlen schon gefährlich für die noch weiße Haut. 

Der März ist ein wunderbarer Monat zum Wandern. Man sollte jedoch  Schluchten mit Flüssen meiden. Denn die Flüsse sind noch voll und transportieren viel klares Wasser Richtung Meer. 

Es ist Fastenzeit und so bildet der März eine kleine Verschnaufpause zwischen dem turbulenten Karneval und dem großen Osterfest. 

Einen Doppelfeiertag gibt es jedoch in diesem Monat! Der 25. März ist der kirchliche Feiertag „Maria Verkündigung“ (9 Monate vor Weihnachten) und er ist ebenfalls ein Nationalfeiertag. Am 25. März 1821 erhoben sich die Griechen erstmals gegen die Türken und erkämpften ihre Unabhängigkeit. (Kreta kam erst 1913 hinzu.)

Noch sind kaum Touristen auf der Insel, denn die Direktflüge zur Insel beginnen erst im April. Allerdings kommen die ersten Saisonarbeiter wieder zurück, denn die Vorbereitungen für die neue Saison beginnen. Viele Straßen werden aufgerissen, neue Kabel verlegt, es gibt zahllose Umleitungen und zahlreiche Hotels und Tavernen werden renoviert. In der Stadt hört man in allen Straßen und Gassen an jedem Tag vom frühen Morgen an Baulärm. 


Dank des Inselklimas kann man auch im März viele Gemüse und Obstsorten aus Kreta kaufen. Die Erntezeit der ersten Orangen ist zu Ende und die Bäume zeigen erneut Blüten. Brokkoli, Weißkohl, Stangensellerie, Frühlingszwiebeln, Rote Beete und Blumenkohl sind günstig, die großen grünen Saubohnen und die stacheligen Artischocken sind reif. 



Am auffälligsten ist große Auswahl an Wildgemüse- und Wildkräutersorten, die im Moment angeboten werden. Die ersten Frühlingstriebe der Pflanzen sind besonders zart und bekömmlich. Junger Löwenzahn, Goldwurzel, Erbsengrün, Rauke, Sauerampfer, Senfgrün, Nadelkerbel sind häufig angebotenen Chortasorten. Es gibt jedoch auch seltenere und dadurch teurere Wildkräuter zu kaufen. 

Eine davon ist ein Fichtenspargel, der Schmerwurz (Tamus communis) genannt wird. 
Von Weitem sieht Schmerwurz wie dünner grüner Spargel aus. Die meisten Pflanzen der Fichtenspargelfamilie sind toxisch. Aus diesem Grund sammele ich ihn auch nicht selbst ;-) Auf Kreta ist er nicht nur als Gemüse beliebt sondern er dient auch als Heilkraut. Schmerwurz gilt als Mittel bei Problemen der Niere und der Harnwege.

Die Zubereitung von Schmerwurz ist genauso wie die von viele andere Chortasorten, die man nur gekocht essen kann. Schmerwurz ist leicht bitter, wie viele andere Wildkräuter. Durch das Kochen verlieren sie etwas ihre Bitterkeit.

Das Gemüse wird geputzt, gut gewaschen, grob zerkleinert und in leicht gesalzenem Wasser 10 Minuten gekocht. (Die Kochzeit ist je nach Chorta unterschiedlich lang.) Anschließend wird es mit Olivenöl und Zitronensaft beträufelt und mit Pfeffer und Salz abgeschmeckt. Häufig wird es als Beilage zu geschmortem Fleisch oder Omelette gegessen. 


Chorta gibt es nicht nur im März.

Egal, wann man auf Kreta weilt, zu jeder Jahreszeit steht ein anderes Wildgemüse zur Verfügung. Und es gibt viele leckere Gerichte damit!