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Dienstag, 12. Februar 2013

Jede Menge Zitronen

Die Zitronen sind reif und dieses Jahr hängen die Bäume richtig voll. Auf Kreta steht in fast jedem Garten ein Zitronenbaum, deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Speisen Zitrone beinhalten. So werden Suppen mit einer Ei-Zitronensauce legiert, Fleischschmorgerichte mit Zitrone verfeinert, viele Eintöpfe mit Zitrone aromatisiert und Olivenöl zusammen mit Zitronen gepresst.

Die Zitrone, auch Limone genannt, ist die Frucht des immergrünen Zitronenbaumes und stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Indien. Von dort kam sie, genau wie die Orange, über China in den Mittelmeerraum und nach Kreta. Es gibt Nachweise, dass es schon vor 1000 Jahren Zitronen im östlichen Mittelmeerraum gab.

Es gibt weit über hundert Zitronenarten. Sie unterscheiden sich in der Dicke der Schale, dem Saftanteil und im Geschmack. Eine Besonderheit des Zitronenbaumes ist, dass er ganzjährig sowohl Blüten als auch Früchte tragen kann. Die Haupternte auf Kreta ist zwischen November und April. Bei meinen Wanderung habe ich auch viele Bäume gesehen, die nicht abgeerntet werden. (So wie in Deutschland viele Apfelbäume.)

Botanisch gesehen ist die Zitrone übrigens eine Beere. In der weißen dickeren Schicht, die zwischen Schale und Fruchtfleisch liegt ist sehr viel Pektin enthalten. Pektin ist ein wasserlösliches Geliermittel und wird von der Lebensmittelindustrie isoliert und für die Marmeladenproduktion genutzt. Wenn man also aus Zitronen Marmelade kocht und die Schale mitbenutzen, kann man auf den Zusatz von extra Geliermittel verzichten ;-)

Und jedes Jahr wieder im Februar bekomme ich jede Menge Zitronen geschenkt. Ich produziere daraus auch immer unter anderem eine Marmelade, dabei verbraucht man sehr viele Zitronen, sie schmeckt der ganzen Familie und so haben wir das ganze Jahr über etwas davon.

Wenn ich diesen Brotaufstrich herstelle, füge ich bei 2/3 der Produktion Raki hinzu und 1/3 mache ich ohne Alkoholzugabe. Raki heißt auch Tsikoudia und ist ein Tresterbrand. Er wird aus den Resten der Weinproduktion hergestellt und hat 30 und 40% Vol. Im Gegensatz zum türkischen Raki enthält der kretische Rakí keinen Anis und man kann ihn am ehesten mit italienischem Grappa vergleichen. Wenn ihr also keinen kretischen Raki bekommt, könnt ihr Grappa verwenden. Natürlich geht es auch ganz ohne Alkohol! Die Marmelade schmeckt fast genauso gut, seltsamerweise wird sie dann jedoch nicht ganz so fest.


Zitronenmarmelade mit Raki

Zutaten:
1 kg Zitronen (ungespritzt und ungewachst)
1 kg Zucker
Wasser nach Bedarf
5 Eßl. Raki (der gibt den “original kretischen Touch”)

Zubereitung:
Die Früchte gut waschen und bürsten, in dünne Scheiben schneiden (evtl. Gurkenhobel) und diese vierteln. Die Enden nicht verwenden und Kerne entfernen.
Die zerkleinerten Zitronen in einen großen Topf geben, mit Wasser bedecken und einen Tag stehen lassen. Am nächsten Tag die Zitronenmasse etwa 30 Min. einkochen lassen, bis die Zitronenstückchen zerfallen sind. Den Zucker unterrühren und nochmals 5 Min. kochen. Den Topf von der heißen Platte ziehen und den Raki zugeben und gut verrühren. (Nicht mehr kochen lassen.) Die Marmelade sofort heiß in Schraubverschlußgläser füllen und die Gläser dann 5 Minuten auf den Kopf stellen. Dann werden sie wieder umgedreht und an einem kühleren Ort ungefähr 1 Woche unbewegt stehen gelassen.

Ist einfach herzustellen und schmeckt echt prima.

Kali Orexi - Guten Appetit!

Dienstag, 20. November 2012

Der westliche Erdbeerbaum

Gestern haben wir einen Ausflug zum Potami Staudamm gemacht. Der liegt ungefähr 10 km landeinwärts und es wachsen dort andere Pflanzen als hier an der Küste. Letztes Jahr hatte ich gesehen, dass es dort Erdbeerbäume gibt. Da ich mir vorgenommen hatte, einmal daraus Marmelade zu kochen und einen Likör anzusetzen und sie jetzt reif sind, sind wir also los. Und hatten Glück! Es waren noch mehr Sträucher da als erwartet und alle hingen voller reifer Beeren.

Der westliche Erdbeerbaum gehört zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Er ist immergrün und die Blätter erinnern mich an schmale Lorbeerblätter. Der Baum kann zweimal im Jahr blühen und die Blüten sind hellrosa bis lila und glockenförmig (wie überdimensionale Heideblüten).

Die Früchte sind im reifen Zustand circa 2,5 cm groß, außen rot und haben eine warzige Oberfläche. Innen sind sie gelborange und schmecken fruchtig säuerlich. Die beste Erntezeit ist der November. Trotz der etwas festeren Schale müssen die Früchte nicht geschält werden (einfach reinbeißen).

Auf der Suche nach einem schönen Marmeladenrezept, fand ich nur Informationen aus Spanien. Nach den Abbildungen sind die Blätter des  dortigen Erdbeerbaum größer und die reifen Früchte gelb. Außerdem sollen die Früchte sehr mehlig schmecken.

Botanisch heiß der westliche Erdbeerbaum "Arbutus unedo". Der Namenszusatz unedo soll laut Plinius, einem römischen Gelehrten, von "unum tantum edo" abgeleitet sein - übersetzt: ich esse nur eins.

Einige meinen nun, dass dieser Zusatz darauf hindeutet, dass es ungesund ist, mehr als eine Frucht roh zu verzehren. Andere sagen, dass ihm die Beeren nicht geschmeckt haben - wahrscheinlich die spanische Variante - und er deshalb nur eine aß. ;-)

Es gibt jedenfalls Berichte, dass der Verzehr von zu vielen rohen Früchte zu Übelkeit führte. Ich habe beim Pflücken ungefähr 6 Früchten probiert und es zeigten sich keine negativen Auswirkungen.


Zumeist werden die Früchte zu Schnaps, Likör oder Marmelade verarbeitet. Sie enthalten viel  Pektin und Vitamin C, was ja sehr günstig die Marmeladenproduktion ist. Allerdings enthalten sie auch kleine Kerne und die warzige Haut löst sich
beim Kochen nicht ganz auf, sodass man sie besser durch ein Sieb streicht (was wiederum mehr Arbeit macht ;-)).

Medizinisch wurden die Blätter und die Rinde schon seit altersher wegen ihrer antiseptischen und adstringierenden Eigenschaften vor allem bei Magenleiden, Durchfall und äußerlich bei schlecht heilenden oder eitrigen Wunden eingesetzt. Und da sie ebenfalls harntreibend wirken, wurden sie bei  Blasenenentzündungn und Nierenleiden genommen.

Die wirksamen Inhaltsstoffe sind Tannine und das Glykosid Arbutin. Dessen Abbauprodukte im Urin haben eine desinfizierende Wirkung und hemmen das Wachstum von Bakterien in Harnleiter, Blase und Harnröhre.

Aufgrund des hohen Tanningehaltes wurden die Blätter und Rinden früher auch in der Gerberei verwendet. Auch die Rinde des kretischen Erdbeerbaumes unterscheidet sich übriges von den aus dem westlichen Mittelmeerraumes. Sie ist hier auf Kreta rötlich, dort soll sie hellgrau sein.

Der westliche Erdbeerbaum ist ein sehr widerstandsfähriger Baum. Er kann sowohl Brände, langen Dürreperioden oder starken Fröste überleben. Unterirdisch hat er nämlich eine sogenannte Stammknolle (Lignotuber), die nach dem Absterben der oberirdischen Teile wieder austreiben kann.

Ich habe nun also mit Raki einen Likör angesetzt und aus 1 1/2 kg Marmelade gekocht. Da mir die Beeren allein zu säuerlich langweilig schmeckten, ist nun eine leckere Baumerdbeeren-Rotwein Marmelade entstanden, gewürzt mit Zimt, Vanille und Nelken.

Kali Orexi - Guten Appetit!