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Freitag, 5. April 2013

Stamnagathi - vom Wildkraut zum Blattgemüse

Typisch für die kretische Ernährung ist der Verzehr von Wildkräutern und Wildgemüsen. Am besten schmecken die jungen Triebe, Blätter und Wurzeln, die im Winter, nach den ersten Regenfällen, aus der Erde sprießen. So ist es also nicht verwunderlich, dass die Hauptsaison für Chorta (Χορτα) - so wird das essbare Wildkraut genannt - von Januar bis Anfang April ist.


In dieser Zeit sieht man viele Frauen und auch Männer über die Wiesen streifen, mit Plastiktüte und Messer bewaffnet, die sich immer wieder bücken und irgendein Kraut abschneiden oder ausbuddeln. ;-)

Es gibt hier auf Kreta über 100 verschiedene essbare Wildkräuter; ich kenne inzwischen ca. 30 davon! Natürlich kann man sie auch auf dem Wochenmarkt kaufen. Je nachdem wie selten man sie findet und wie beliebt sie sind schwankt der Preis zwischen 4 und 12 € pro Kilogramm.

Einige werden inzwischen landwirtschaftlich angebaut zum Beispiel Ruccola, Wlita, Portulak und Stamnagathi. Ruccola hat schon sehr lange den Sprung zur angebauten Salatpflanze gemacht, ich denke ihr habt alle schon mal Ruccola gegessen. Der hier wild gepflückte ist schmaler und schmeckt intensiver.
Die Blätter des gezüchtete Portulak sind weniger fleischig und größer. Im Gegensatz zum wilden Portulak schmeckt er weniger säuerlich und ihm fehlt die leichte Schärfe.
Die Wlitasaison startet Ende Mai. Weitere Informationen findet ihr hier.

Stamnagathi ist eine Zichorienart, die ursprünglich nur an Berghängen und wenig zugänglichen Orten in bergigen Regionen wächst. Auf deutsch heißt die Pflanze "stachelige Wegwarte" (Cichorium spinosum). Die Blüte ist etwas dunkler als die er gemeinen Wegwarte, die man hier überall findet und sie hat lange Stacheln! Stamnagathi schmeckt leicht bitter und man kann die jungen Blätter und auch die Wurzeln essen. Da das Wildgemüse sehr beliebt ist wird es so starkem Maße gepflückt, dass es vielleicht bald zu den gefährdeten Pflanzen gehört.

Inzwischen gibt es jedoch auch Bauern hier auf Kreta, die Stamnagathi anbauen. Es gibt jetzt gezüchtete leicht größere Sorten auf dem Wochenmarkt zu kaufen, die nicht mehr so bitter sind. Andere Landwirte besorgen sich das Saatgut jedes Jahr neu aus den Bergregionen.

Der weltweit größte Stamnagathi Produzent ist Cretan Gaia in Mires in der Region Heraklion. Zur Saison ernten sie über 2 Tonnen pro Tag! Damit ist es für mich inzwischen eigentlich kein Wildgemüse mehr ;-)
Cretan Gaia hat übrigens gerade ein integriertes Managementsystem eingeführt. Das heißt, sie haben die Grundlagen für eine effiziente, verantwortungsbewußte Produktion gelegt, bei der auch alle Umweltaspekte berücksichtigt werden. Vor einigen Tagen haben sie dafür das Zertifikat vom TÜV HELLAS erhalten.

Es gibt noch verschiedene andere Namen für diese Zichorienart in Griechenland unter anderem: "Radikostivada". Eine Freundin erklärte mir wie der Name "Stamnagathi" entstanden ist: Die dornigen Stengel der Pflanze wurden früher als Insektenschutz in die Öffnungen von Krügen gesteckt. Und davon leitet sich der Name ab: "Stamna" - der Krug und "Agathi" - der Dorn oder Stachel.

Früher wurde die Wegwarte auf Kreta als Mittel gegen Magenschmerzen verwendet. Sie wurde schon in der Antike als Arzneimittel genutzt. Sie wurde als Antiseptikum für Wunden eingesetzt, als Therapeutikum für Leber-, Galle- und Nierenerkrankungen und bei Rheuma.


Ich habe schon einige verschiedene Sorten der stachligen Wegwarte gegessen, einige waren stark bitter andere überhaupt nicht. Am besten sollen die Pflanzen schmecken, die an den Felsen dicht am Meer wachsen. Ob ich die auch schon genossen habe, kann ich nicht sagen. ;-)

Am häufigsten bekommt man Stamnagathi hier in den Tavernen als gekochten Salat zur Vorspeise serviert. Dafür wird er kurz gekocht und dann mit Olivenöl und Zitrone serviert. Dadurch wird die Bitterkeit etwas reduziert. Man kann ihn auch roh als Salat oder in einer Salatkomposition essen. Dazu eignen sich vor allem die nicht so bitteren gezüchteten Sorten. Ich habe auch schon Pilaf (kretisches Risotto) und gefüllte Pitas mit Stamnagathi probiert. Und natürlich wird er auch als Beilage zu geschmortem Lamm, Schwein und Rind gegessen.

Warmer Stamnagathi Salat für 4 Personen
Zutaten: 1 kg Stamnagathi, 1 Zwiebel, ungefähr 5 Eßl. Olivenöl, Saft von 1 Zitrone, Pfeffer, Salz
Zubereitung: Das (?) Stamnagathi gründlich waschen und durchsortieren. (Bei mir bleibt dann immer nur ca. 800 g übrig. ;-)) In einem großen Topf ausreichend leicht gesalzenes Wasser zum Kochen bringen und dann das "Grünzeug" hineingeben. Ungefähr 10 bis 15 Minuten köcheln lassen. Danach das Wasser abgießen und das Stamnagathi ausdrücken. Zwiebel fein hacken und in einer großen Pfanne in Olivenöl anschwitzen. Das ausgedrückten Stamnagathi dazugeben und alles gut vermengen. Mit Pfeffer, Salz und Zitronensaft abschmecken. 

Serviervorschläge: 
Mit einer gehackten Tomate und etwas Fetakäse bestreuen oder 
einen Klacks Joghurt obendrauf geben, der leicht mit Knoblauch, Pfeffer und Salz aromatisiert wurde. 

Kali Orexi - Guten Appetit!

Sonntag, 30. Dezember 2012

Griechische Lebensmittelpreise Ende 2012

Hier könnt ihr ein kurzes Video sehen, von Bildern, die ich auf dem Zentralmarkt in Athen gemacht habe. Es ist zwar nicht Kreta, aber die Preise, die hier auf dem Markt gelten, sind ausschlaggebend für ganz Griechenland und auch für Kreta.

Weil es sehr stark geregnet hat, als ich dort war, habe ich von den Obst- und Gemüseständen, die draußen liegen, weniger Bilder. ;-)

Film auf youtube ansehen


Fleisch und Fisch wird in Hallen gehandelt. Hier könnt ihr 2 kurze Videos sehen, die keine hohe Qualität haben, aber euch bestimmt einen Eindruck geben, von der Atmosphäre und dem Lärm.

Fischhalle







Fleischhalle












Und wenn ihr immer noch etwas ansehen mögt, findet ihr auf der Facebookseite "Leckeres Kreta" noch einzelne Bilder.

Viel Spaß!




Samstag, 17. November 2012

Essbare Gemüseteile

Seit ich auf Kreta wohne, hat sich mein Wissen über Teile von Gemüsepflanzen, die essbar sind enorm erweitert! In Deutschland habe ich das Grün der Radieschen, Kohlrabi und Rote Beete weggeschmissen, von Sellerie habe ich die zarten Blätter für die Suppe genutzt und etwas Fenchelgrün zur Dekoration verwendet.

Wenn Broccoli "geschossen" war und blüte, habe ich ihn auf den Kompost geworfen, genauso wie die Stiele und Blätter von Zucchinis, wenn ich das Beet geräumt habe.

Hier auf Kreta habe ich gelernt, dass man viel mehr Teile der Gemüsepflanzen essen kann, als ich mir jemals vorstellen konnte! ;-)


Radieschen- und Rote-Beete Blätter kommen nun in den Salat, blühender Broccoli und Artischocken-Blattstiele (!) werden wie normales Gemüse gedünstet und in bunten Gemüsemischungen verwendet, Zucchiniblüten und Weinblätter werden mit einer Reis-Kräutermischung gefüllt und wenn ich Fenchel mache, wird auch das gesamte Grün mit verarbeitet.


Vom Knollensellerie wird hier übrigen nur das Grün verwertet. Wenn man Sellerie kauft, ist nur eine ganz kleine Knolle unten dran. Die bekanntesten Rezepte damit sind Schweinefleisch und Dorade mit Sellerie.



Auf dem Wochenmarkt kann man ebenfalls die Spitzen vom Erbsenpflanzen kaufen und als Salat essen. Es das junge Grün der in Deutsch genannten "Futtererbse", die unter anderem als Zwischenfrucht bzw. Gründünger verwendet wird.



Wenn ich gefüllte Pita mache mit Spinat, Wlita oder Chorta (Wildkräuter/Wildgemüse), kommt nun immer alles, was ich an sonstigem Gemüsegrün habe mit hinein.




Gestern auf dem Wochenmarkt habe ich zum ersten Mal erfahren, dass man auch die Stengel und Blätter von Zucchinis, wenn man den Gemüsegarten aufräumt, nicht auf den Kompost gibt, sondern kocht und mit Olivenöl und Zitrone serviert!
Es schmeckt mir auch, allerdings hat es kaum den typischen Geschmack und das nächste Mal werde ich es nach dem Kochen noch mit Tomate und Feta vermischen.



Guten Appetit - Kali Orexi!


Donnerstag, 15. November 2012

Ein paar Bilder vom Wochenmarkt in Rethymno im November.

Ruccola wird im Moment in Mengen angeboten.
(Auch Überschüsse aus dem Hausgarten.)
Verschiedene Auberginensorten, Tomaten, Gurken und Paprika
sind immer im Angebot
Die Chortasaison startet mit gemischten Wildkräutern.

Das Kilo Kartoffeln kostet 70 Cent.

Ganzjährig und günstig im Angebot.

Zwiebeln und Karotten aus Kreta 

Die Kohlsaison startet mit Blumenkohl

Rote Beete und Frühlingszwiebeln sind wieder da und recht günstig

Die ersten  Zitrusfrüchte sind da.
Es gibt sogar noch einige kretische Erdbeeren.

Und natürlich kann man frische Oliven(grün oder blau) kaufen.


Bohnen gibt es immer noch in Hülle und Fülle.

Die Granatäpfel sind reif und lecker.

Wie dies Grünzeug heißt weiß ich nicht. Ich finde es sieht nach jungem
Erbsengrün aus. Es wird als Salat gegessen, mir ist es aber zu bitter ;-) !


Jede Menge Äpfel sind im Angebot, alle Sorten 1 € pro kg

Frische Esskastanien und Mandeln aus der Region um Chania.


Samstag, 13. Oktober 2012

Die ursprüngliche kretische Ernährungsweise

Heute möchte ich euch die typischen Merkmale der kretischen Ernährung einmal kurz vorstellen.
Man kann sie auf zahlreichen Webseiten nachlesen und in vielen Büchern und Artikeln. Ihr werdet also sicher schon alle etwas darüber gehört, gelesen oder sogar gesehen und geschmeckt haben.

Eigentlich wollte ich darüber gar nicht schreiben. Ich wurde jedoch schon so oft danach gefragt, dass ihr hier nun einen kurzen Überblick über die Hauptmerkmale findet ;-))
In dieser graphischen Darstellung seht ihr die
mengenmäßig Zusammensetzung der Lebensmittel
in der ursprüngliche kretischen Ernährung. 

Die Grundnahrungsmittel sind Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Wildkräuter und -gemüse (Chorta), Nüsse, Kräuter, Brot, Reis und Kartoffeln. Die verwendeten Produkte kommen frisch aus der Region und können vollreif geerntet werden. 

Ich konnte mir von Deutschland aus jedoch nicht die Mengen an Gemüse und Obst vorstellen, die hier wirklich täglich verzehrt werden! In den Nordeuropäischen Ländern und den USA wird versucht mit der Aktion "5 am Tag" die Leute zu mehr Obst- und Gemüse-Konsum anzuregen. Hier sind 5-7 Portionen Obst und Gemüse pro Tag normal!
Ich war sehr erstaunt, als ich das erste Mal sah, welche Riesenmengen an Obst und Gemüse hier von den Hausfrauen eingekauft werden. Orangen und Kartoffeln zum Beispiel werden in 10 kg Portionen gekauft und ich wurde immer erstaunt angeschaut, wenn ich nach nur 2 kg Kartoffeln fragte. ;-).
Nach dem Essen gibt es hier immer Obst. Pudding oder Cremes sind als Nachtisch unbekannt.
Mehrmals in der Woche ist die Hauptmahlzeit rein vegetarisch, eine Kombination zum Beispiel von Mangold, Kartoffeln und Zucchini gilt als vollwertige Mahlzeit. Durch meine bisherigen Essgewohnheiten aus Deutschland "verdorben" fragte ich mich, als ich dies das erste Mal sah "und was gibts dazu?" ;-)

Natürlich gibt es auch oft was dazu: Häufig Geflügelfleisch, Fisch,  Meeresfrüchte, Schnecken, aber auch das Fleisch von Lamm, Ziege, Rind oder Schwein stehen zumeist einmal pro Woche auf dem Speiseplan. Bei Feiern und Festen ist der Fleischgang nach zahlreichen (überwiegend vegetarischen) Vorspeisen immer der Höhepunkt der Mahlzeit.

Eine wichtige Rolle bei Vorspeisen (Mezes) spielt auch der Joghurt und der Käse. Ihr kennt ja alle sicherlich Tzatziki, Saganaki, Dakos, Tiropita, Bauernsalat,...

Die Regeln der orthodoxen Kirche zur Fastenzeit werden hier von sehr vielen Familien eingehalten. Das heißt, dass es zwischen Karneval und Ostern zum Beispiel kein Fleisch, Eier oder Käse gibt.

Zum Naschen gibt es zumeist Süßes auf der Basis von Obst, Trockenobst, Nüssen und Honig. (und heutzutage auch mit Zuckersirup ;-)

Alkoholische Getränke, wie kretischen Rot- und Weißwein, Retsina und Raki (Tsikoudia) werden in Maßen genossen. Der Durst wird vor allem mit dem guten kretischen Wasser gelöscht. Auch heute noch fahren viele Familien in die Berge zu einer der zahlreichen Quellen und zapfen sich dort ihren Vorrat für ein oder zwei Wochen ab.

Eine weitere ganz wichtige Grundlage der kretischen Ernährung ist das Olivenöl! Es wird nicht raffiniert, sondern nur kalt gepresst und gefiltert und hat einen geringen Säuregrad. Das macht es sehr bekömmlich und unterstützt mit seinen wertvollen Inhaltsstoffen die Gesundheit unseres Körpers. (Auch darüber gibt es viele informative Webseiten.) Ich weiß von vielen Bekannten, dass sie im Durchschnitt 2,5 Liter pro Person im Monat verbrauchen.

Und natürlich ist es auch ganz wichtig, wie die Speisen gegessen werden. So oft wie möglich essen die Kreter im Familien- oder Freundeskreis. Zumeist langsam, entspannt und mit netter Unterhaltung.

Leider gibt es auf Kreta in den letzten Jahren dramatische Veränderungen. Laut neusten Studien ist inzwischen hier jedes dritte Kind fettleibig!

Ein Hauptgrund dafür ist die mangelnde Bewegung der Kinder und Jugendlichen! Die Anzahl der Familien, die sich traditionell ernähren nimmt ab. Veränderte Arbeitszeiten bewirken ebenfalls eine Veränderung der Eßgewohnheiten.

Der Fleischkonsum hat stark zugenommen, zudem werden vermehrt andere Öle und Fette verwendet. Der Gemüse- und Obstverbrauch geht zurück, dafür steigt der Konsum von Snacks und Süßigkeiten. Computer, Fernsehen, Auto, Fast Food .... die Gründe habt ihr bestimmt schon alle gehört.
Ich hab sogar schon gelesen, dass die Kinder in Skandinavien sich mehr nach den Regeln der Mittelmeerkost ernähren, als die Kinder hier auf Kreta ;-)

So, das war ein kleiner Einblick. Informationen über die einzelnen Lebensmittelgruppen und Produkte findet ihr in dann im Blog.

Kali Orexi - Guten Appetit!

Montag, 10. September 2012

Briam - kretischer Gemüseauflauf

Auberginen, Zucchini, Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln kleinschneiden, würzen und mit Olivenöl in den Backofen schieben......fertig ist Briam!
Nach spätestens 10 Minuten ist der Auflauf im Ofen. Man könnte also fast sagen ein kretisches Fast Food Gericht.... wäre da nicht die Backzeit von ungefähr eineinhalb Stunden ;-)
Serviert wird er anschließend mit frischen Kräuter bestreut und mit einer Scheibe Feta obendrauf.

Briam (Briami) ist ein wunderschönes sommerlich vegetarisches Gericht, das sowohl heiß wie auch lauwarm schmeckt. Alle Zutaten sind im Moment hier günstig, frisch, vollreif und aus der Region erhältlich. Die Gemüse werden dabei in mundgerechte Stücke zerteilt und im Ofen gebacken ohne das extra Flüssigkeit hinzugefügt wird. Ich mag es am liebsten mit kaltem Feta obendrauf, aber man kann den Feta auch zerkrümeln und die letzten Minuten mit backen.
Bei vielen Gerichten, bei denen Knoblauch hinzugefügt werden soll, finde ich, dass sie auch ohne dieses Gewürz auskommen. An Briam jedoch muss Knoblauch dran, sonst fehlt irgendwas! Und hier ist im Moment auf dem Markt auch frischer Knoblauch erhältlich.

Eine kretische Kollegin erwähnte im Zusammenhang mit Briam dann, dass ich auch dazu "Tourlou Tourlou" sagen könnte und ginste dabei so, das ich skeptisch wurde. Wie ich herausfand, kann man zu einem Gemüseeintopf "Tourlou" sagen, was soviel wie "verschiedenes Allerlei" oder "durcheinander" bedeutet. In einen Gemüseeintopf können viele verschiedenen Gemüsesorten, je nach Saison benutzt werden.

Aber richtiges Briam besteht nur aus den oben genannten Zutaten!

Das Wort stammt von dem Türkischen "türlü türlü" ab und heißt übersetzt in Etwa "Durcheinander", "verschiedenen Sorten" und auch "Verschnitt". Alle Kreter, die ich fragte, sagten mir, dass es kein griechisches Wort ist, jeder grinste mich an und fragte sofort, wo ich DAS denn gehört hätte. Wie ich es jetzt verstanden habe bedeutet "Tourlou Tourlou" wohl soviel wie "Schweinerei", "Sauerei" oder "Plemmplemm"!

Und hier jetzt mein Rezept für Briam
Zutaten: 2 Auberginen, 4 kleinere Zucchini, 2 große Kartoffeln (die Kartoffeln hier auf Kreta sind riesengroß) oder 4 normal große, 4 - 6 Fleischtomaten, 2 Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, ungefähr 1 Tasse Olivenöl, Oregano, Pfeffer, Salz, 2 Scheiben Feta, frische Petersilie und Dill.
(Bei den Gemüse kommt es auf die Größe an, nehmen sie ungefähr von Auberginen, Zucchini und Kartoffeln die gleiche Menge.)

Zubereitung: Auberginen, Zucchini und Kartoffeln in mundgerechte Stücke schneiden, die Tomaten, Zwiebeln und den Knoblauch etwas kleiner schneiden. Alles in eine große flache Auflaufform geben und mit Olivenöl - natürlich mit gutem kretischen extra nativem Olivenöl - vermischen. Mit Oregano, Pfeffer und Salz würzen und abgedeckt (z.B. mit Alufolie) bei 180 Grad für eine Stunde in den Backofen schieben. Nach einer Stunde die Abdeckung abnehmen und ungefähr eine weitere halbe Stunde offen weiterschmoren lassen, bis der Auflauf eine hellbraune Farbe angenommen hat. 

Mit frischen Kräutern bestreuen und mit Feta belegen.

Kali Orexi - Guten Appetit!

Montag, 20. August 2012

Okras - Zubereiten - Gewußt wie!

Jetzt ist Okra (Bámia) Hauptsaison! Das bekannteste und beliebteste Gericht damit ist hier auf Kreta "Geschmorte Okraschoten in Tomatensoße".

Mein erster Versuch das leckere vegetarische Gericht zu Kochen endete tragisch. Anstatt eines schmackhaften Eintopfes war das Ergebnis eine schleimige Matschepampe, - um es mal krass auszudrücken. ;-) Wie ich danach erfuhr, hatte ich es zu lange gekocht und die Okras falsch geschnitten.

Kennengelernt hatte ich Okra zuerst in den Südstaaten der USA. Dort probierte ich sie im Gumbo, einem kreolischen Eintopf. Darin wurden sie kleingeschnitten serviert. Aus diesem Grund zerschnitt ich sie auch bei meinem ersten Versuch für geschmorte Okraschoten hier auf Kreta. ;-).

 Okraschoten enthalten einen wasserlöslichen Schleimstoff der auch  Mucilago genannt wird und aus ganz langen Ketten von Kohlenhydraten besteht.
Dieser pflanzliche Schleim hat eine reizmildernde, einhüllende und erweichende Wirkung. Er wird eingesetzt, um "Giftstoffe" im Magendarmtrakt einzuhüllen und schneller auszuscheiden. Der Schleimstoff wirkt auch lokal gegen Magenschleimhautentzündungen und hat einen Blutzuckersenkenden Effekt.

So gut dieser Stoff auch für unsere Gesundheit ist, meinen ersten Versuch von geschmorten Okras haben sie ruiniert. ;-) Der Schleim tritt aus, sobald die Okraschote geöffnet ist und bewirkt, dass die Flüssigkeit eindickt. Um zu verhindern, dass der Schleim austritt gibt es verschiedene Tricks - die ich vorher nicht kannte - die Schoten müssen so geputzt werden, dass sie dabei nicht geöffnet werden. (siehe Bilder unten).  Sie können kurz in Essigwasser blanchiert werden oder 30 Minuten bis zu einer Stunde in Essigwasser eingelegt werden. Dazu braucht man eine Tasse Rotwein-Essig pro Kilogramm und so viel Wasser, dass alles bedeckt ist. Außerdem können sie dann vor der Verwendung noch kurz in der Sonne getrocknet werden. Zudem sollte man sie nicht so lange schmoren, dass sie zerfallen. - Je nach Größe reichen 20 bis 30 Minuten.

Okras sind mit feinen Härchen bewachsen, die bei empfindlichen Menschen zu Reizungen führen können. Wer möchte kann die Härchen  abschaben, es muss jedoch nicht unbedingt gemacht werden. Man kann Okras auch roh im Salat essen. Da sie keinen großen Eigengeschmack haben, finde ich sie so etwas langweilig. Aber in der Kombination mit Tomaten, Zwiebeln und Olivenöl schmecken sie mir sehr gut.
Okras sind leicht verdaulich, kalorienarm und enthalten - wie alle Gemüse - viele Vitamine (vor allem Vit. C und A), Mineralstoffe (Calcium, Magnesium, Kalium und Folsäure) und die, das Immunsystem stärkenden, sekundäre Pflanzenstoffe. 

Okras gehören zu den Malvengewächsen und stammen aus Äthiopien. Sie werden seit sehr langer Zeit - nachweislich seit über 4000 Jahren - als Kulturpflanze angebaut. Auch in Griechenland werden sie seit Jahrtausenden gegessen und in der Heilkunde eingesetzt. Okraschoten sind fünfeckig und Fingerlang. Im Englischen werden sie aus wahrscheinlich diesem Grund auch Ladyfingers genannt.

Getrocknete Okrastückchen kann man zum Binden bzw. Andicken von Soßen verwenden und Okrasamen können geröstet und als Kaffeeersatz genutzt werden.

Putzen von Okraschoten

Wenn die Okraschote geöffnet wird,
tritt der Schleimstoff aus.

Nur die Stile dürfen vorsichtig von
der Schote abgeschnitten werden.

So geputzt können sie nun
geschmort werden.



Und hier nun mein Rezept für Geschmorte Okra in Tomatensauce


Zutaten: 1 kg Okraschoten, 150 ml Olivenöl, 2 feingeschnittene Zwiebeln, 2 Knoblauchzehe, 5 reife Fleischtomaten oder 1 kl. Dose Tomaten, Petersilie, Salz und  Pfeffer

Zubereitung: Die Okraschoten putzen (siehe oben) und waschen. Tomaten häuten und in kleine Stücke schneiden. Das Öl in einem Kochtopf erhitzen und Zwiebeln und Koblauch anbraten. Nun die Tomaten und die Okra hinzufügen. Bei geringer Hitze die Okra 20 - 30 Minuten lang dünsten. Kleingeschnittene Petersilie unterheben und vorsichtig servieren, da die Okra leicht zerfallen.

Und dazu eine dicke frische Scheibe Brot!

Kali Orexi - Guten Appetit!