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Donnerstag, 16. August 2012

Rauchig, Sauer und Würzig - Apaki - Kretisches Sauerfleisch

Als ich vor 3 Jahren einmal in einer größeren Gruppe in einer Taverne war, bestellten wir zusammen verschiedenen Mezes. Da niemand aus der Runde wußte was Apaki war, beäugten wir den ankommenden Teller skeptisch. Vier kleine Stücke scheinbar zu lange gekochtes trockenes Fleisch lagen einsam auf einem großen weißen Teller. Vorsichtig probierten wir...und die Meinungen gingen sofort auseinander. Einigen schmeckte es überhaupt nicht. Mir schmeckte es wunderbar. Es war wider Erwarten nicht trocken, sondern zart, leicht sauer und hatte ein würziges Raucharoma.

Schweinefleisch war Jahrhunderte lang eine günstige Fleischquelle für die ärmere Bevölkerung in Griechenland bzw. im Byzantinischen Reich. Und magere Schweinefleischstücke zu konservieren hat eine ebenso lange Tradition.
Zum Beispiel gibt es aus dem 12. Jahrhundert Dokumente, in denen geräuchertes, getrocknetes Schweinefleisch erwähnt wird. In einem Schriftwechsel bedankt sich ein Gelehrter aus Konstantinopel bei seinem Freund, der auf dem Land wohnt, für die Zusendung einiger Fleischstücke und ein anderer Mann vergleicht in einer Satire das Aussehen seines Vaters mit der Spezialität.

Zur Konservierung des Fleisches wurde schon seit dem Altertum das Trocknen in der Sonne, das Salzen und Räuchern genutzt. Häufig wurden die einzelnen Konservierungsmethoden kombiniert um eine noch bessere Haltbarkeit zu erreichen. Das Fleisch wird durch diese Methoden jedoch relativ hart. Typisch für Kreta ist das zusätzliche Säuern mit Essig wodurch die Fleischfaser lockerer wird und das Fleisch zarter. 

Ich esse Apaki (Aphai: ohne Fett) am liebsten in der Taverne. Man kann es auch im Supermarkt kaufen, aber diese Fleischstücke sind mir zumeist zu trocken. Wenn ihr es zum Mitnehmen kaufen wollt, sucht euch lieber eine Packung mit kleineren Stücke aus, die sind besser durchgezogen.

Die Herstellung dieser kretischen Spezialität unterscheidet sich je nach Region in der Beizzeit, den verwendeten Kräutern und der Räucherzeit.
Grundsätzlich werden für die Produktion magere Fleischstücke vom Schwein - z.B. das Filet- in kleinere Stücke geschnitten und in eine Essig-Salz-Lake für mindestens 48 Stunden eingelegt. In diese Lake kommen zusätzlich aromatische kretische Kräuter wie Salbei, Thymian, Oregano und/oder Majoran. Anschließend wird das Fleisch abgetrocknet und mindestens 10 Stunden geräuchert. Dafür wird zumeist Olivenholz verwendet, das zusätzlich mit Kräutern aromatisiert wird. Nach dem Räuchern wird das Fleisch zum Lagern in eine dicke Schicht Kräuter eingewickelt. - Das Räuchern jedoch nicht zwingend um die Spezialität Apaki zu nennen; es gibt hier auch ungeräuchertes Sauerfleisch unter diesem Namen zu kaufen. ;-)

Apaki wird in kleinen Portionen als Meze (zum Raki) gereicht oder als Salatzutat verwendet zum Beispiel mit Rucola, Tomaten und etwas Gravierakäse. (Rezept findet ihr bei Radio Kreta).
Es wird häufig nochmals aufgekocht zum Beispiel in Rotwein oder Orangensaft. Apaki wird zu verschiedenen Chortasorten gegessen oder in kleinen Mengen mit ins Omeletts geschnitten. Es schmeckt hervorragend zu Hülsenfrüchten zum Beispiel in Linseneintopf oder zu dicken Bohnen.
Klein geschnitten und mit etwas Olivenöl ist es auch als Nudel oder Reis Beilage lecker.


Kali Orexi - Guten Appetit!

Freitag, 18. Mai 2012

Souvlaki - Gegrilltes Fleisch am Spieß

Neben Giros ist Souvlaki (Souflaki) das bekannteste Fleischgericht aus Griechenland weltweit! So wie es in Deutschland in jedem Schnellimbiss Bratwurst gibt, gibt es hier überall Souvlaki. Man knabbert entweder das gegrillte Fleisch direkt vom Spieß oder man bestellt sich "Souvlaki Pita", dann werden die Fleischstücke nach dem Grillen vom Spieß geschoben und in ein flaches Pitabrot gewickelt, zusammen mit etwas Salat, Tomate, Tzatziki und Pommes.

Übersetzt bedeutet Souvlaki "Spießchen" und heute ist es der Oberbegriff  für Gebratenes am Spieß. Dabei kann es sich sowohl um große Fleischstücke, um kleine, um Lammgehacktes (Kebab), um Fisch oder Gemüse handeln. Durch archäologische Funde ist bewiesen, dass man schon vor über 3700 Jahren in Griechenland Fleischstücke auf einen Spieß steckte und drehend über offenem Feuer garte.

Bestellt man hier auf Kreta in einem Schnellimbiss ein Kalamaki (oder zwei Kalamakia) so bekommt man ebenfalls Souvlaki! Kalámia bedeutet Schilfrohr (oft wird auch Bambus so genannt). Ich weiß nicht genau warum Souvlaki hier so genannt wird. Entweder erinnerten die Fleischstücke auf dem Spieß an die Verdickungen im Schilfrohr oder man steckte früher die Fleischstücke auf Schilfrohr.

Kalamaki bedeutet allerdings auch Strohhalm und ich habe gehört, dass einem Kreter, der in Nordgriechenland Kalamaki bestellte, aus Spaß einmal ein Strohhalm serviert wurde. ;-)

Früher wurde nur Fleisch aufgespießt, inzwischen wird Gemüse wie Zwiebel, Paprika, Zucchini usw. zwischen die Fleischstücke gesteckt.  Der neuste Trend in Athener Schnellimbissen sind Schnecken-Souvlaki, dazu werden marinierte Schnecken ohne Gehäuse auf den Holzspieß gesteckt und gegrillt.

In Deutschland wird Fleisch gerne mit Soße oder Dipp gegessen, deshalb hat es sich eingebürgert Tzatziki zum Fleischspieß zu essen. Ich liebe es auch auf diese Weise. In den Tavernen hier ist Tzatziki jedoch eine Vorspeise, die man vor dem Fleischgang isst. Das Souvlaki kommt erst später auf den Tisch und wird dann "trocken" gegessen. Wenn ich mit einer größeren Gruppe in einer Taverne bin, versuche ich  immer mir etwas Tzatziki von der Vorspeise aufzuheben, damit ich noch etwas habe, um die Souvlaki einzudippen.  ;-)

Normalerweise wird für das Schweinefleisch-Souvlaki fettreiches Fleisch genommen, wie Schweinehals oder Nacken (Kamm), da fettarmes Fleisch beim Grillen schnell zu trocken und hart wird. Durch die Marinade kann man auch etwas fettärmeres Fleisch wählen wie Kotelett, Schnitzel oder das teurere Filet. Ich verwende auch oft - je nach Angebot bei unserem Fleischer - eine Mischung aus Nacken mit Kotelett oder Schnitzel.

Schweinefleisch Souvlaki
Zutaten: 1 kg Schweinefleisch (Kamm, Nacken), 1 Eßl. Oregano, Saft von 2-3 Zitronen (je nach Größe), 3 Eßl. Olivenöl, 1 gestrichener Teel. Salz, 1/2 Teel. gemahlener Pfeffer, evtl. 1-2 Knoblauchzehen, 12-15 Holzspieße (Schaschlikspieße)
Zubereitung: Die Holzstäbchen ungefähr eine Stunde in Wasser einlegen, damit sie etwas quellen. Auf diese Weise kann man das Fleisch nach dem Grillen gut von den Spießen runter schieben.
Das Fleisch in 3 cm große Würfel schneiden. Eine Marinade aus dem Zitronensaft, dem Öl, Oregano und Pfeffer herstellen.Wenn ihr gerne Knoblauch mögt, die Knoblauchzehen zerdrücken und zur Marinade geben. Die Fleischstücke hineingeben und gut vermischen. Zugedeckt mindestens eine Stunde im Kühlschrank durchziehen lassen.
Anschließend die Fleischstücke auf die eingeweichten Holzstäbe stecken. Circa 6 Stück pro Spieß, sie müssen eng aneinander liegen,  aber nicht zu stark zusammengedrängt.
Auf dem heißen Holzkohlegrill von jeder Seite ungefähr 5 Minuten grillen, bis das Souvlaki schön braun aber nicht schwarz geworden ist. Im Backofen mit Grill dauert es ungefähr genauso lange, nach 5 Minuten einmal wenden.
Nach dem Grillen mit Souvlaki mit geschnittenen Zitronenstücken zusammen servieren.
Zum Essen das Souvlaki mit Zitrone beträufeln und evtl. nachsalzen.

 Kali Orexi - Guten Appetit!