Dienstag, 20. November 2012

Der westliche Erdbeerbaum

Gestern haben wir einen Ausflug zum Potami Staudamm gemacht. Der liegt ungefähr 10 km landeinwärts und es wachsen dort andere Pflanzen als hier an der Küste. Letztes Jahr hatte ich gesehen, dass es dort Erdbeerbäume gibt. Da ich mir vorgenommen hatte, einmal daraus Marmelade zu kochen und einen Likör anzusetzen und sie jetzt reif sind, sind wir also los. Und hatten Glück! Es waren noch mehr Sträucher da als erwartet und alle hingen voller reifer Beeren.

Der westliche Erdbeerbaum gehört zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Er ist immergrün und die Blätter erinnern mich an schmale Lorbeerblätter. Der Baum kann zweimal im Jahr blühen und die Blüten sind hellrosa bis lila und glockenförmig (wie überdimensionale Heideblüten).

Die Früchte sind im reifen Zustand circa 2,5 cm groß, außen rot und haben eine warzige Oberfläche. Innen sind sie gelborange und schmecken fruchtig säuerlich. Die beste Erntezeit ist der November. Trotz der etwas festeren Schale müssen die Früchte nicht geschält werden (einfach reinbeißen).

Auf der Suche nach einem schönen Marmeladenrezept, fand ich nur Informationen aus Spanien. Nach den Abbildungen sind die Blätter des  dortigen Erdbeerbaum größer und die reifen Früchte gelb. Außerdem sollen die Früchte sehr mehlig schmecken.

Botanisch heiß der westliche Erdbeerbaum "Arbutus unedo". Der Namenszusatz unedo soll laut Plinius, einem römischen Gelehrten, von "unum tantum edo" abgeleitet sein - übersetzt: ich esse nur eins.

Einige meinen nun, dass dieser Zusatz darauf hindeutet, dass es ungesund ist, mehr als eine Frucht roh zu verzehren. Andere sagen, dass ihm die Beeren nicht geschmeckt haben - wahrscheinlich die spanische Variante - und er deshalb nur eine aß. ;-)

Es gibt jedenfalls Berichte, dass der Verzehr von zu vielen rohen Früchte zu Übelkeit führte. Ich habe beim Pflücken ungefähr 6 Früchten probiert und es zeigten sich keine negativen Auswirkungen.


Zumeist werden die Früchte zu Schnaps, Likör oder Marmelade verarbeitet. Sie enthalten viel  Pektin und Vitamin C, was ja sehr günstig die Marmeladenproduktion ist. Allerdings enthalten sie auch kleine Kerne und die warzige Haut löst sich
beim Kochen nicht ganz auf, sodass man sie besser durch ein Sieb streicht (was wiederum mehr Arbeit macht ;-)).

Medizinisch wurden die Blätter und die Rinde schon seit altersher wegen ihrer antiseptischen und adstringierenden Eigenschaften vor allem bei Magenleiden, Durchfall und äußerlich bei schlecht heilenden oder eitrigen Wunden eingesetzt. Und da sie ebenfalls harntreibend wirken, wurden sie bei  Blasenenentzündungn und Nierenleiden genommen.

Die wirksamen Inhaltsstoffe sind Tannine und das Glykosid Arbutin. Dessen Abbauprodukte im Urin haben eine desinfizierende Wirkung und hemmen das Wachstum von Bakterien in Harnleiter, Blase und Harnröhre.

Aufgrund des hohen Tanningehaltes wurden die Blätter und Rinden früher auch in der Gerberei verwendet. Auch die Rinde des kretischen Erdbeerbaumes unterscheidet sich übriges von den aus dem westlichen Mittelmeerraumes. Sie ist hier auf Kreta rötlich, dort soll sie hellgrau sein.

Der westliche Erdbeerbaum ist ein sehr widerstandsfähriger Baum. Er kann sowohl Brände, langen Dürreperioden oder starken Fröste überleben. Unterirdisch hat er nämlich eine sogenannte Stammknolle (Lignotuber), die nach dem Absterben der oberirdischen Teile wieder austreiben kann.

Ich habe nun also mit Raki einen Likör angesetzt und aus 1 1/2 kg Marmelade gekocht. Da mir die Beeren allein zu säuerlich langweilig schmeckten, ist nun eine leckere Baumerdbeeren-Rotwein Marmelade entstanden, gewürzt mit Zimt, Vanille und Nelken.

Kali Orexi - Guten Appetit!






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