Mittwoch, 20. Juni 2012

Boureki - Zucchini-Kartoffel-Käse-Auflauf

Gestern haben wir von einer Nachbarin gefühlte 10 Kilo Zucchini geschenkt bekommen. Das bedeutet für mich, dass ich mal wieder einen meiner kretischen Lieblingsaufläufe mache: Boureki.
Die Art diesen Zucchini-Kartoffel-Käse-Auflauf zuzubereiten ist hier je nach Region und Familie sehr unterschiedlich. Aber die Grundzutaten Zucchini, Kartoffeln, Misithra Käse und Minze gehören überall dazu.

In einige Rezepte wird der Auflauf mit Filoteig umhüllt, in anderen wird das Gemüse geraspelt. In einigen Rezepten kommen noch Karotten, Tomaten oder Graviera Käse hinzu. Gegessen wird es als Hauptspeise zusammen mit einem Salat und Brot. Ich brauche das jedoch nicht dazu, ich esse lieber eine größer Portion Auflauf ;-)


Die Zucchini, die man hier kaufen kann - oder geschenkt bekommt - sind hellgrün und schmecken etwas nussiger als die Sorten, die ich aus Deutschland kenne. Sie kommen als junges Gemüse auf den Markt, da sie beim Heranwachsen wegen der Hitze etwas holzig werden.

Den wunderbaren Geschmack von Misithra kann man schlecht ersetzen. Wenn ihr keinen Mizithra bekommt, könnt ihr Ricotta verwenden oder eine Mischung aus 2/3 Mozarella und 1/3 Feta.

Minze wird hier sehr häufig verwendet. Es gibt mehrere Sorten, die Verwendung finden. Ich nutze fast immer die großblättrige, die man überall im Supermarkt kaufen kann. Die etwas dunklere Kleinblättrige ist schärfer und man muss weniger davon verwenden.

Hier mein Lieblingsrezept für 4 Personen und eine große Auflaufform

Boureki

Zutaten: 750 g Zucchini, 850 g Kartoffeln,700 g Misithra Käse -als Ersatz Ricottakäse oder Mozarella gemischt mit Fetakäse (für dieses Rezept 2 Kugeln Mozarella und 1 Scheibe Feta kleinhacken und gut vermischen, evtl. noch etwas Sahne dazu geben), 3 Zweige frische Minze, Salz, 2-3 Tomaten, 1/2 Tasse Olivenöl, 1 Tasse Wasser. Die Mengenangaben müssen nicht genau befolgt werden, manchmal können es auch etwas weniger Zucchini oder Kartoffeln sein. Auch etwas weniger Käse wirkt sich nicht gravierend auf den Geschmack aus. Einige Mitglieder meiner Familie mögen keine Tomaten (!?), also nehme ich immer etwas weniger.


Zubereitung:
Die Zucchini waschen, die Enden abschneiden und mit einem Gemüsehobel in dünne Scheiben schneiden. Die Kartoffeln schälen, waschen und ebenfalls in feinen Scheiben hobeln. Die Tomaten in Scheiben schneiden. Etwas Öl in eine große Auflaufform geben und zuerst eine Schicht Zucchini auf den Boden verteilen. Nehmt dafür die Hälfte der Zucchinis und salzt alles leicht. Darüber nun eine Schicht aus der Hälfte der Kartoffelscheiben geben. Darüber den Mizithrakäse gleichmäßig verteilen. Die Minze fein schneiden und auf den Käse geben. Darüber die restlichen Kartoffelscheiben verteilen und salzen.
Die restlichen Zucchini gleichmäßig darauf legen und mit der Hand alles leicht zusammendrücken. Zum Abschluß die Tomatenscheiben obenauf dekorieren. Die Tasse Wasser darüber gießen und das restliche Olivenöl obenauf träufeln. Bei 200 Grad im Backofen ca. 45 - 60 Minuten backen. Ihr müßt zwischendurch testen, ob die Kartoffeln weich sind, die brauchen länger als die Zucchini.
Wenn ihr die Oberfläche nicht so braun und knusprig möchtet, könnt ihr die erste halbe Stunde die Form mit einer Alufolie abdecken.

Boureki läßt sich sehr gut einfrieren. Wir essen zumeist einen Teil frisch und frieren den Rest ein. Im Sommer essen wir Boureki zumeist lauwarm und im Winter heiß mit Tomatensoße (das ist nicht typisch kretisch ;-)).


Kali Orexi - Guten Appetit! 

Montag, 18. Juni 2012

Fertigprodukte - auch hier ein wachsender Markt

Bis vor einigen Jahren gab es fast keine fertig zubereiteten griechischen Produkte in den Supermärkten hier zu kaufen. Die ersten Produkte, die ins Angebot kamen waren gefüllte Pitas. Dabei wurde der übliche Pitateig zumeist durch Blätterteig ersetzt.

Inzwischen gibt es in jedem Supermarkt kleine Käse- oder Spinatpitataschen zu kaufen. Beliebt sind auch die großen Filoteigpitas, die zu Teil zu großen Schnecken gerollt sind. Diese Pasteten gibt es mit Spinat-, mit Käse- oder mit Spinat und Käsefüllung. Sie sind in großen Aluschalen und müssen ca. 45 Minuten im Backofen gebacken werden.

Und das Gute ist, dass sie nicht nur aus der Verpackung gut aussehen, sondern auch in der Wirklichkeit. Eine meiner Lieblingsprodukte sind kleine Filoteig-Röllchen, die mit Mizithra und Honig gefüllt sind.

Daneben gibt es nur wenige tiefgefrorene Fertigprodukte. Ich habe bisher nur "Pastizio" gefunden. Allerdings gibt es hier in Rethymno auch keinen wirklich großen Supermarkt. Wahrscheinlich ist das Angebot in Heraklion schon größer. ;-)

Haltbare Eintöpfe wie "Artischocken mit Erbsen und Karotten" oder "Nudeln mit Oktopus" sind in Plastikschalen zum Erwärmen in der Mikrowelle schon seit längerem erhältlich. "Gefüllte Weinblätter" gibt es in Konservendosen oder ebensfalls in Plastikschalen.

Viele griechische Firmen bieten in Dosen auch "Okra in Tomatensoße", "Bohnen in Tomatensoße" und "Hackfleischklößchen" (Keftedakia) an - ein Muß in den Paketen für meinen Enkel -.

Ich denke, dass es hier nicht so viele Fertigprodukte auf dem Markt gibt, liegt daran, dass es noch viele Mütter und Großmütter gibt, die die Familie mitversorgen. Vor allem männliche Griechen (Erwachsene) gehen oft zum Essen zur Mama, auch wenn sie nicht mehr zu Hause wohnen oder - noch besser - bekommen das Essen von der Mutter gebracht. In Deutschland ist es genau diese Gruppe, die am häufigsten zu Fertigprodukten greift.


Wer keine Familie oder Ersatzfamilie in der Nähe hat, holt sich - wenn Niemand Zeit zum Kochen hat - fertiges Essen aus einer der Taverne, die fertig zubereitete Speisen, ausgestellt in Vitrinen, vorrätig haben.
Der große Vorteil dieses Systems ist, dass es frisch zubereitete Speisen sind und dazu nicht allzu teuer. Oft sind es traditionelle kretische (gesunde) Gerichte, die ohne Konservierungsmittel und andere Zusätze zubereitet wurden.

Leider werden heutzutage auch immer mehr und immer öfter die üppigen Schnellimbißgerichte, wie Pitagiros, Hamburger, Mixed Grill etc. gewählt.

Kali Orexi - Guten Appetit

Hier ein paar Bilder von Fertigprodukten










Sonntag, 17. Juni 2012

Kreta im Juni

Jetzt blühen die vergessenen Artischocken in den Gärten. Sie sehen schön aus, aber essen kann man sie nun nicht mehr. Auch eine andere essbare Diestel blüht nun am Straßenrand: die Mariendistel, deren leckeren Wurzeln als Chorta im März auf dem Speiseplan stehen. Dafür liefern Feld und Garten jetzt Zucchini, die ersten Tomaten und immer noch das leckere Wlita (Amaranthblätter).

Dieses Jahr ist der Juni schon recht warm. Im Moment liegen die Mittagstemperaturen zwischen 32 und 38 Grad. Wo nicht bewässert wird ist das Land nun trocken. Unter den Olivenbäumen leuchten die getrockneten Gräser hellgelb in der Sonne.
Die Thymniansträucher blühen und bedecken die Hänge mit lilanen Flecken.

Die Straßenränder sind gesäumt von den blühenden  weißen und hellroten Oleandersträuchern. Die Bougainvillia strahlt in rosarot und violett von den Hauswänden.

Seit langem hat es nicht mehr geregnet und wenn jetzt mal die Straßen nass sind, hat nur jemand mal  wieder "griechisch gefegt" - wir nennen es so, weil hier anstelle eines Besens zumeist der Wasserschlauch zum Entfernen von Staub und Dreck genutzt wird. ;-)

Nun sind die Touristen da; nicht mehr die Wandertouristen wie im April und Mai, sondern die Strandtouristen. Trotzdem sind die Strände nicht zu voll und noch jede Menge Sonnenliegen frei.
Jetzt haben alle Hotels geöffnet und die Tavernen locken mit günstigen Komplettmenü-Angeboten.

Abends sind die Straßen Rethymnos nun belebt. Viele Touristen nutzen die angenehmen Temperaturen in den Abendstunden für einen Bummel durch die Altstadt. Die Shopbesitzer klagen jedoch, dass die meisten von ihnen nur gucken aber nichts kaufen.
In den Supermärkten ist die Auswahl von Lebensmitteln vielfältiger geworden. Jetzt gibt es sogar in unserem kleinen Supermarkt wieder Alkoholfreies Bier zu kaufen ;-)

Auf dem Markt ist die Gemüse und Obstauswahl besonders groß. Die Erdbeer- und Kirschzeit geht langsam zu Ende, dafür gibt es Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen und Wassermelonen .

Günstige Gurken, Tomaten, Auberginen und Zucchini türmen sich an den Gemüseständen. Und  ich komme nie an dem frischen Knoblauch und frischen Zwiebeln vorbei, ohne welche mitzunehmen.

Mein Lieblingsrezept an diesen heißen Tagen ist der typische "Griechische Salat". Hier wird er "Choriatiki Salata" genannt, was übersetzt so viel wie Landsalat heißt. Im Deutschen wird er auch oft "Bauernsalat" genannt.

Die Grundzutaten sind Gurken, Tomaten, Zwiebeln und Feta Käse. Häufige weitere Zutaten sind Oliven, Paprika und Römersalat. In den Tavernen hier kommt er oft ohne Marinade auf den Tisch und man schmeckt ihn  selbst mit Olivenöl, etwas Essig, Salz und Pfeffer ab. Ich gieße zumeist eine Marinade aus Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und gehackten Kräutern (auf alle Fälle Petersilie) darüber. 


Guten Appetit - Kali Orexi!

Dienstag, 12. Juni 2012

Kretadiät statt Probiotika

"Wieso kann Jens so viel essen und wird nicht dick?" "Warum wirkt das Medikament bei mir nicht so gut wie bei Saskia?" Solche oder ähnliche Fragen hat sich jeder von uns schon einmal gestellt. Wissenschaftler haben jetzt eine Ursache dafür
gefunden.

Im Darm jedes Menschen tummeln sich über eine Milliarde Mikroorganismen. Die bekanntesten Mitglieder des Ökosystems "Darmflora" sind die Milchsäure- und die Bifidobakterien. Sie helfen uns bei der Verdauung, indem sie Nährstoffe, zum Beispiel Vitamine so vorbereiten, dass unser Körper sie verwenden kann.
In einer weltweit durchgeführten Studie wurde ermittelt, dass es verschiedene Zusammensetzungen dieser Darm -Mikroorganismen gibt. So wie Menschen verschiedene Blutgruppen haben, unterscheiden sie sich auch hinsichtlich ihrer Darmflora. Die Forscher konnten drei unterschiedliche Typen ermitteln. Innerhalb einer Darmtypengruppe ist die Zusammensetzung der Mikroorganismen in der Darmflora sehr ähnlich.

Die Darmtypen sind nicht zufällig entstanden und sie sind unabhängig von dem Geschlecht, dem Alter, der Rasse und dem Wohnort!

Die Darmflora entscheiden darüber, wie hoch eine wirksame Medikamentendosis sein muss oder wie viele Kalorien aus einem Lebensmittel herausgelöst werden. Da sich im Darm ebenfalls unser größtes Immunsystem befindet beeinflusst die Darmflora auch unsere Abwehrkräfte.

Die Nahrung spielt eine entscheidende Rolle bei der Besiedlung unseres Inneren. Wir entscheiden mit der Auswahl unserer Speisen über positive oder negative Wirkungen auf das "Ökosystem Darm". Die beste Ernährung um unsere Darmflora gesund zu erhalten sind - und dies gilt für alle drei Typen! - viel Gemüse, Wildgemüse und Obst - roh oder gekocht-, Kräuter, Hülsenfrüchte, Nüsse, kalt gepresstes Öl, Milchprodukte wie Joghurt und Käse, wenig Fisch und Fleisch.

Na, kommt euch das bekannt vor? - Richtig! - Das ist die grundlegende Zusammensetzung der Kretadiät!


 Der Begriff "Probiotika" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Für das Leben". Unter Probiotika versteht man heute Produkte, die das Leben unserer Darmflora unterstützen.

Es handelt sich dabei um lebende Mikroorganismen, zumeist Milchsäurebakterien, die den Lebensmitteln zugesetzt werden. Im Darm sollen sie dann eine gesundheitsfördernde Wirkung erzielen. Das bekannteste probiotische Lebensmittel ist der Joghurt, aber auch Babynahrung, Margarine, Käse und Wurst werden mit diesem Zusatz angeboten.

Die Milchsäurebakterien sollen die Darmflora positiv beeinflussen und vorhandene " böse" Mikroorganismen verdrängen. Normalerweise werden Bakterien, die mit der Nahrung aufgenommen werden durch ein effektives Abwehrsystem zerstört, denn es könnte sich ja um Krankheitsauslösende Keime handeln. Die meisten werden von der Magensäure und dem Gallensaft zersetzt. Nur wenn große Mengen aufgenommen werden, können einige überleben. In den probiotischen Lebensmitteln sind sehr große Mengen enthalten, die von den Lebensmittelfirmen so gezüchtet werden, dass sie den aggressiven Angriffen der Säuren stand halten. Im Darm verändern sie unsere Darmflora für einige Tage, danach stellt sich das normale Gleichgewicht wieder ein.

Das bedeutet, wenn ihr eine Änderung eurer Darmflora wollt, müsst ihr die Produkte täglich über einen längeren Zeitraum essen.  Die von der Industrie gezüchteten Mikroorgansimen verändern damit eure normale Besiedelung, die von der Natur aus vorgegeben ist. Egal welchen der drei Darmtypen ihr habt, mit probiotischen Lebensmitteln wird dieser verändert.

Zu empfehlen sind probiotische Produkte nur, wenn eure Darmflora z.B. durch eine Antibiotika Behandlung zerstört wurde oder ihr eine Durchfallerkrankung erleidet habt. In diesem Fall verhindern die Probiotika eine Fehlbesiedlung und helfen über die ersten Tage hinweg, bis unser Körper wieder fit ist und seine eigene Darmflora aufbaut.

Ansonsten sind probiotische Lebensmittel unnötig.
Mit Werbesprüchen wie: "Stärkt die Abwehrkräfte…", "Weniger Erkältungen durch…", "Verhindert einen Blähbauch…." versuchen uns die Firmen zum Kauf zu verführen. Diese Joghurts sind häufig teurer als andere Joghurts und enthalten zumeist viele Aromastoffe und Zucker.

Übrigens enthält guter griechischer Joghurt von Natur aus mehr probiotisch wirkende Mikroorganismen als andere "normale" Joghurtsorten. Und in natürlichen Zusammenspiel mit anderen Inhaltsstoffen helfen sie unseren Darm fit zu halten!

Fazit: Kretadiät statt Probiotika ;-)




Samstag, 9. Juni 2012

Die Holzgurke - Xilangoura

Diese Gurke habe ich hier auf Kreta zum ersten Mal gesehen. Sie ist hellgrün mit Längsstreifen und ganz feinen weißen Härchen. Sie heißt im griechischen Xilangoura was so viel heißt wie Holzgurke. Den Namen hat sie wohl bekommen, weil die Schale härter ist als die der grünen Salatgurke. Allerdings finde ich sie nicht holzig. ;-)

Im Deutschen wird diese Gurkensorte "Orientalische Gurke" genannt.  Ich mag sie gerne und finde, dass sie wie eine Kreuzung aus Zucchini und Salatgurke schmeckt. Sie sind saftig wie "normale" Gurken mit dem Biss von Zucchini.
Die Orientalischen Gurken, die man hier kaufen kann sind ca. 20 bis 25 cm lang und haben einen Durchmesser von 5 -7 cm. Sie sind rundlicher als die kurzen Salatgurken. Im Moment haben sie Saison und sind überall sehr günstig zu haben.

Sie werden hauptsächlich frisch und roh gegessen. Die Schale kann mit gegessen werden. Ich nehme sie anstelle der grünen Gurken in den Salat.

Gerne werden sie auch ohne Schale in Würfel geschnitten als Vorspeisenhäppchen (Meze) serviert. Meine Freundin liebt sie so, macht reichlich Salz drauf und stippst sie in Essig.

Aber natürlich kann man sie auch für warme Speisen, z.B. in Aufläufen verwenden.

Die Orientalische Gurke gehört, wie Gurken und Zucchini zu den Kürbisgewächsen (Cucurbitaceae) und besteht hauptsächlich aus Wasser (ca. 95%). Sie liefert uns Ballaststoffe; enthält viel Kalium, Natrium, Eisen und Calcium, sowie Vitamin A, B und E.

Da sie in Deutschland nur sehr selten erhältlich ist, solltet ihr sie im Urlaub auf Kreta mal probieren.

Kali Orexi - Guten Appetit!



Donnerstag, 7. Juni 2012

Kleine Fische

Momentan habe ich das Gefühl überall nur kleine Fische zu sehen!

Ob im Internet, in der Zeitung, auf dem Markt,  im flachen Wasser oder auf der Strasse, ich hab so langsam das Gefühl sie verfolgen mich.

Wenn ich in der Nähe der Marina in Rethymno ins flache Wasser gehe, werde ich sofort von den kleinen Tierchen begutachtet. (In Elafonissi waren es sogar noch mehr, aber die sind eher vor mir geflüchtet.)
In der Altstadt von Rethymno hat innerhalb des letzten Jahres an (fast) jeder Ecke ein "Fish-Spa" aufgemacht. Dort sorgen die Roten Saugbarben (Garra rufa) dafür, dass die Füße der Touristen frei von Hornhaut und toten Hautschuppen sind. In den kleinen Touristen Vororten Platanes und Adelianos Kambos, 6 km östlich der Altstadt, eröffneten seit April acht Fish-Spa-Geschäfte (oder Ichthyotherapie-Praxen ;-)). Ein griechischer Bekannter, der früher ein kleines Touristenartikelgeschäft hatte, überlegt gerade, ob er auch noch schnell eines eröffnet, da er gehört hat, das man damit gut verdienen kann.

Kleine Fische sind auch in politischen Karikaturen im Moment ein beliebtes Motiv. Entweder als Beispiel dafür, dass sich viele kleine Fische zusammentun und sich gegen die großen Haie organisieren, oder als Opfer, die von den großen Haien und deren Helfern hereingelegt werden.

Forscher haben jetzt erstmals ein Computermodell vorgestellt, das die Entwicklung des Lebens in den Meeren von 1960 bis ins Jahr 2060 darstellt. Die Gesamtmasse der Fische wird sich danach nur wenig ändern, aber es werden Veränderungen in der Zusammensetzung der Bestände erwartet. Zusammenfassend könnte man diesen Blick in die Zukunft wie folgt zusammenfassen: "Auf Wiedersehen große Fische, hallo kleine Fische!" Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahrzehnte fort. Die Fangmenge an größeren Fischen ist in den vergangenen 40 Jahren um etwa 55 Prozent gesunken. Hier der Link zu einem Artikel über das Thema: Alles bloß noch kleine Fische.



Ich habe mich deshalb entschlossen, auch etwas über kleine Fische zu schreiben!



Hier auf Kreta gibt es das ganze Jahr über kleine frische Fische zu kaufen, die im Meer rund um Kreta gefangen werden. Die bekanntesten sind Marida (Spicara smaris), Gavros (Engraulis encrasicolus), Atherina (Atherina hepsetus) und Sadela (Sardina pilchardus). Sie sind günstig im Einkauf - zwischen 2,50 und 7 € das Kilo und einfach zuzubereiten.

Zubereitung der kleinen Fische:
Diese kleinen Fische werden zumeist im Ganzen zubereitet und verzehrt. Die Fische waschen und unten aufschneiden. Den Darm entfernen, den Fisch abtrocknen und Salzen.
- Sind die Fische schon etwas größer werden der Kopf und die Gräten entfernt. -
Nun jeweils eine Handvoll Fisch in Mehl wenden. - Griechische Hausfrauen haben zumeist eine extra Fischhaltebox für das Mehl und verwenden es mehrmals.-
Dann die Fische in eine tiefe Pfanne mit heißem Olivenöl  geben und kurz goldbraun frittieren. Vor dem Verzehr die Fische mit Zitronensaft beträufeln.
Ihr könnt sie im Ganzen essen. Am besten am Schwanz anfassen und Kopf voran in den Mund stecken.

Die Fische werden kalt einzeln bzw. zusammen mit Oliven, Pepperoni und anderen Appetithappen als Vorspeise (Meze) serviert oder als warmes Hauptgericht gerne zusammen mit Chorta und Kartoffeln verzehrt.

Guten Appetit - Kali Orexi!

Noch zwei weitere Tipps:

  • Ein Rezept wie man die "Kleinen" in Essig und Öl einlegen kann, findet ihr in englischer Sprache bei Organically Cooked: Marinierte Gavros.




Sonntag, 3. Juni 2012

Gefüllte Weinblätter - Dolmades / Dolmadakia

Neulich sah ich eine ältere Griechin, die Weinblätter in größerer Menge an einer belebten Strasse pflückte. Da ich eine befahrene Strasse immer mit Auspuffgasen in Verbindung bringe und mit Blei und Cadmium, dachte ich nur, "Na, die Dolmadakia möchte ich nicht essen."

Vor einigen Jahren hat die Stiftung Warentest in Deutschland Konserven mit Weinblättern und mit gefüllten Weinblätter hinsichtlich ihrer Schadstoffbelastung getestet. Gefunden wurden zwar nicht Blei und Cadmium aus dem Straßenverkehr, jedoch war das Ergebnis beunruhigend. Keine Einzige der 33 getesteten Proben hatte negative Ergebnisse! Es wurden vor allem Pestizidrückstände gefunden (Penconazol, Procymidon sowie Kupfer und Schwefel). Diese Mittel sollen die Rebstöcke gegen Insektenfraß und Pilzbefall schützen. Rückständen davon sind noch lange nach der Behandlung auf den Blättern und Trauben. (Testergebnisse)

Wer wie ich gefüllte Weinblätter liebt, sollte so wenig wie möglich auf Konserven zurückgreifen und die Röllchen lieber selbst zubereiten. Denn die meisten Rückstände auf den Blättern kann man durch gründliches Waschen mit warmen Wasser abspülen. An und für sich sind Weinblätter nämlich sehr gesund. Sie enthalten sehr viele sekundäre Pflanzenstoffe (Flavonoide), die unserem Körper helfen, sich gegen schädliche Einflüsse zu schützen. 

Die gefüllten Weinblätter - Dolmades oder Dolmadakia genannt- sind eine typische griechische/kretische Vorspeise. Auf Kreta bekommt man sie zu 95 %  (geschätzt) mit einer Reisfüllung serviert! Ab und zu stehen sie auch mit einer Lamm-Hackfleischfüllung auf der Speisekarte. Auf alle Fälle sind auch hier die "Unentbehrlichen Drei" wieder mit dabei! ;-)

Auf Kreta kann man speziellen Dolmadakia-Reis kaufen. Meiner Meinung nach geht aber jeder Langkornreis, der nicht zu klebrig oder zu körnig ist. Man kann den Reis erst kochen, dann mit den Kräutern und Gewürzen mischen und in die Weinblätter füllen. In diesem Fall ist die anschließende Kochzeit sehr verkürzt. In einigen Rezepten wird vorgeschlagen, die Zwiebeln in Olivenöl anzuschwitzen und den Reis dann ebenfalls kurz mit dazuzugeben. Die traditionelle Art Dolmadakia zuzubereiten ist jedoch mit rohem Reis! Die Zubereitung ist sehr einfach, man darf die Röllchen nur nicht zu fest aufwickeln, damit sie platzen während der Reis aufquillt!

Dolmadakia
Zutaten: 500 g Weinblätter, 200 g Reis, 4 feingehackte Frühlingszwiebeln, 2 Eßl. feingeschnittener Dill, 2 Eßl. feingeschnittene Petersilie, 150 g Olivenöl, 1 Teel. feingehackte Minze, Salz, Pfeffer, Saft einer Zitrone
Zubereitung: Frische Weinblätter 5 Minuten in Salzwasser blanchieren, eingesalzene gut abspülen. Die Frühlingszwiebeln, Petersilie, Dill, Minze mit dem Reis vermischen. Saft der Zitrone hinzufügen und mit Pfeffer und Salz abschmecken. Die Weinblätter vorsichtig flach hinlegen und einen Eßlöffel der Reismischung darauf geben. Das Weinblatt vorsichtig und zu einer nicht zu festen Rolle formen (siehe Bild). Einige Weinblätter, die zuviel sind oder zerrissen auf den Boden eines breiteren flachen Kochtopfs legen. Darauf die Röllchen dicht nebeneinander legen. So viel leicht gesalzens Wasser darauf geben, bis die Röllchen bedeckt sind 1 Eßlöffel Olivenöl dazugeben. Oben auf die Weinröllchen einen Teller legen, damit sie nicht aufschwimmen. Das Wasser zum Kochen bringen und alles ungefähr 50 Minuten köcheln lassen (bis der Reis weich ist). 

Etwas abkühlen lassen und dann die Dolmadakia abtropfen lassen und warm servieren. Gut dazu schmeckt frischer griechischer Joghurt. Die Röllchen sind natürlich auch kalt am nächsten Tag lecker oder warm mit einer Eier-Zitronensauce.



KALI OREXI - GUTEN APPETIT