Sonntag, 3. März 2013

Myrte - Medizin, Gewürz und leckerer Likör


 Ungefähr 5 bis 10 Kilometer landeinwärts wachsen auf Kreta zahlreiche Myrtensträucher. Ich fuhr im Dezember an den Potamistausee südlich von Rethymno auf der Suche nach Erdbeerbäumen. Diese wachsen dort am Ufer. Dort stolperte ich sozusagen in die Myrte, denn davon gab es sehr viele im Gegensatz zu Erdbeerbäume. ;-)

So pflückte ich also neben den Baumerdbeeren auch viele Myrtebeeren. Zuhause mußte ich dann erst mal nachsehen, was man damit anstellen kann. Da ich keine traditionellen kretischen Rezepte fand, machte  ich dann daraus Likör und Marmelade. Myrte wurde hier auf Kreta wenig als Nahrungsmittel genutzt. Jedoch werden die Beeren und Blätter schon seit der Antike zu medizinischen und rituellen Zwecken verwendet.

Die Inhaltsstoffe wirken stark antiseptisch, schleimlösend und unterstützen den Heilungsprozess von Wunden. Eingesetzt wurde Myrte in Form von Myrtenwein, Myrtenöl, Tee und Auszügen. Traditionell wurde sie bei Zahnfleischentzündungen, Bronchitis, Erkältung, Halsschmerzen, Asthma und  trockenem Husten verwendet.

Hier sieht man weiße unreife Beeren.
Die Myrte spielte auch in der griechischen Mythologie eine große Rolle. Sie wurden zum Beispiel bei zeremoniellen Handlungen auf die Wege gestreut.  Außerdem wird die Myrte immer mit Aphrodite verbunden. Als die "Schaumgeborene" nackt aus dem Meer stieg, versteckte sie sich hinter einem Myrtenstrauch vor den Blicken der Menschen.

Auf Grund dieser Verbindung entstand der Brauch, dass Brautpaare zur Hochzeit mit Myrtenkränzen geschmückt wurden. Dadurch soll der Bund fürs Leben lange halten und die Verbindung fruchtbar sein. Myrtenzweige gelten auch als Symbol für Versöhnung und über den Tod hinausgehen  der Liebe.

Ich kannte Myrte aus Deutschland nur in der Verbindung mit einem Kranz für die Braut auf der Hochzeit. Hier lernte ich zuerst die Nutzung der Blätter kennen. In meinem ersten Jahr arbeitete ich in Mariannas Workshop in Maroulas. Marianna Founti-Vassi stellt pflanzliche Kräuteröle und Teemischungen her. Von ihr lernte ich die Vorzüge der Myrte kennen. In die Teemischung gegen Erkältung gehört natürlich die Myrte und das hochwirksame Öl wird bei chronischer Bronchitis und Halsentzündungen eingesetzt.

Auch Myrtenwein wird medizinisch genutzt. Zum Beispiel zur Behandlung von Zahnfleisch- und Halsentzündungen, bei Ekzemen und gegen Schuppen. Hier ist ein Rezept, dass ich jedoch noch noch ausprobiert habe:

In 2 Litern ganz frischen Wein 1 kg Myrtenzweige mit  (zerquetschten) Beeren geben. Die Mischung aufkochen und so lange köcheln lassen bis es auf 1,6 Liter reduziert hat.

Myrtebeeren und Zweige werden außerdem frisch und getrocknet zum Würzen genutzt, zum Beispiel von Wurstwaren oder als Soßenbeigabe für Fleischgerichte. Fisch kann man auf Myrtenzweigen liegend garen und Grillgut kann aromatisiert werden durch die Zugabe von Zweigen in die Glut.

Für Essig mit Myrte werden 4 Zweige Myrte in 1 l Weinessig eingelegt. Dazu die Zweige gut waschen und dann einfach in den Weinessig geben. Nach 10 – 15 Tagen die Zweige absieben und den Essig in eine andere Flasche umfüllen. Dieser Essig gibt Salaten einen herb-würzigen Geschmack.


Marmelade und Gelee sind nicht typisch kretisch.
Da ich vorher noch nie etwas mit Myrte gemacht hatte konnte ich das Aroma  nicht genau einschätzen. Ich habe es dann mit etwas Mandarinensaft gemischt, kann es mir aber auch gut mit Apfelsaft vorstellen. Das entstandene Myrten-Gelee schmeckt hervorragend!

Zutaten: 300 g Myrtebeeren, 600 Wasser, Saft von 3 - 4 Mandarinen, 350 g Zucker,1 Marmeladen Gelfix 1 zu 3, 1 Stück Sternanis
Zubereitung: Die Beeren mit dem Wasser zum Kochen bringen und ca. 30 - 40 Minuten kochen lassen, bis die Beeren weich sind. Die Beeren zerquetschen. Die Masse in ein feines Sieb oder Mulltuch geben und die Flüssigkeit auffangen. Ich hatte danach ungefähr 700 ml Saft und habe ihn mit 200 ml Mandrinensaft gemischt. Das Gelierfix mit dem Zucker mischen und zum Saft geben. Ein Sternanis dazufügen und zum Kochen bringen. Mindestens 3 Minuten kochen lassen. (Ich habe es 6 Minuten gekocht, bis die Gelierprobe gut war.) In saubere Twist-off Gläser füllen, diese für 5 Minuten auf den Kopf stellen. Dann wieder umdrehen und abkühlen lassen. Das Gelee hat einen einzigartigen herb-aromatischen Geschmack.

Noch besser schmeckt mir der Myrtenlikör

Das Rezept, dass ich im Internet gefunden hatte war eigentlich für Grappa gedacht.
Grappa ist ein italienischer Tresterbrand, er wurde also aus den Traubenresten der Weinproduktion gebrannt. Das kretische Nationalgetränk Tsikoudia ist ebenfalls ein Tresterbrand, der hier zumeist einfach Raki genannt wird. - Im Gegensatz zum türkischen enthält der kretische Rakí keinen Anis! Ich habe also den Grappa durch Raki ersetzt und das Ergebnis ist köstlich!

Zutaten:1 Liter kretischen Raki, 200 g Myrtenbeeren und 2 ca. 20 cm lange Myrtenzweige, 150 g Zucker

Zubereitung: In eine 1,5 l Flasche den Raki geben und die gut gewaschenen Beeren und Zweige, den Zucker hinzufügen und so lange schütteln bis der Zucker sich ganz gelöst hat. 
Nach 1 Woche beginnt sich der Raki zu verfärben. Von blaß violett bis zu dunkel lila.(siehe Bild)
Diese Mischung müßt ihr 6 Wochen stehenlassen. Alle 5-6 Tage gut durchschütteln. Nach den 6 Wochen erst durch ein Sieb geben und die Beeren und Zweige entfernen und dann noch einmal durch einen Kaffeefilter. In kleinere dekorative Flaschen umfüllen.

Er  unterstützt die Verdauung und eignet sich sehr gut als Aperitif!

Kali Orexi - Guten Appetit!


Alles über Myrte findet ihr auch auf der Internetsite Die Myrte-Myrtus communis.de.

1 Kommentar:

  1. Oh, wie lecker das klingt! Das würde ich auch sehr gerne ausprobieren.

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